Detailansicht 2012

2011
12.5

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Auf die Frage, welches wohl das beste griechische Restaurant Wiens sein könnte, gibt es nicht viele mögliche Antworten. Das Orpheus wird jedenfalls recht häufig genannt. Und zwar völlig zu Recht, denn nicht nur, dass Betreiber Eleftherios Dermitzakis das etwas düstere, frühere ungarische Weinhaus designmäßig erfrischte, er sorgt auch für eine Zutaten-Qualität und kreatives Spiel, wie man sie in griechischen Restaurants eigentlich nicht gewohnt ist. So wird zum Beispiel ein Degustationsmenü mit Mezze, griechischen Kleingerichten, angeboten, das Gedeck mit griechischem Brot, Oliven und herrlichem Öl könnte stimmiger nicht sein. Die Linsensuppe mit Orangen ließ dann aber etwas an Leben vermissen, ein Branzino-Filet mit Fenchel und Zitrone sowie Sardinen, ebenfalls mit Fenchel und Zitrone, waren brav und rustikal. Die zarten Lammkoteletts ließen Holzkohlen-Aroma erkennen, sehr schön, die kretische Variation von Kalbsbries, Zunge und Herz schätzt man im innereienverrückten Wien natürlich sehr. Griechenlands Top-Weine sind auch glasweise erhältlich.

2010

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


Beim Orpheus handelt es sich um das vielleicht schönste griechische Restaurant fern der Ägäis, wenn auch nicht gerade um das authentischste. Das neobarocke Mobiliar und das coole Leder machen das Lokal zu einem der schicksten der Stadt. Die Speisekarte ist ebenfalls mutig, hier sind nicht nur die immer gleichen Standards wie Moussaka und Calamari zu finden, sondern Innereien-Spezialitäten wie ein wirklich gutes Lammbries und ordentliche Fischgerichte (Garnelen!). Nur eins trübt den griechischen Idealzustand: Der lässige Schmäh der Kellner wirkt schon einmal frech. Wenn man etwa reklamiert, dass ein falsches Gericht gebracht wurde, heißt es da allen Ernstes: Macht doch nichts...

2009

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2009.


Der einzige Grieche, der ein modernes Konzept verfolgt. In seiner Architektur, die das Lokal von altgriechischem Ballast befreit hat, aber vor allem in Küche und Keller. Neben dem Retsina sind hier griechische Paradewinzer vertreten und alternativ zu Moussaka und Souvlaki gibt's auch Seehechtröllchen im Zucchinimantel. Ein kleines Problem besteht darin, dass die Erneuerung etwas über ihr gut gemeintes Ziel hinausschießt: da kommt es dann zu Seltsamkeiten wie Meeresfrüchten vom Grill mit Curryreis oder einem Lachs-Overkill, wie er einem Allerweltsrestaurant anstünde, aber nicht einer Küche, die ihre Wurzeln im lachsfreien Ostmittelmeerraum hat - auch wenn sie noch so modern tut.

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Orpheus Eleftherios Dermitzakis

Das Orpheus erwarb sich in den vergangenen Jahren große Verdienste um die Präsentation einer frischen, geschmackvollen und subtil modernisierten griechischen Küche in Verbindung mit den aktuellen griechischen Top-Weinen. Heuer klappte es aber irgendwie gar nicht. Wir probierten das Menü, beginnend mit einem Sortiment „griechischer Tapas“ (wir würden es schätzen, wenn man in einem griechischen Restaurant Meze bekommt, ja, auch wenn die Kellner dem einen oder anderen Gast erklären müssen, was das ist), etwas lieblos hingewürfelt. Dann Flogeres, die in Öl knusprig gebackenen Teigröllchen, diesmal mit Frischkäse-Kräuter-Garnelen-Füllung. Der widersprüchlichen Rezeptur begegnete die Küche, indem sie die Garnelen größtenteils wegließ. Und unter Branzinofilets auf Kräutersalat mit Apfel-Frischkäse-Tatar und Rosmarinerdäpfeln hatten wir uns beim Top-Griechen auch was anderes vorgestellt als die zwei Fisch-Lappen auf Pizzeria-Niveau mit Supermarktsalat, harten Erdäpfeln mit Trockenrosmarin und einem Gupf seltsamer Substanz und käsigem Geschmack. Und dann Feigenparfait mit Beeren und Mandelkrokant: ein zu hartem Eis gefrorener, süßer Block (mit einer Heidelbeere!), und wir nur mit einem kleinen Löffelchen ausgestattet. In diesem Moment fühlten wir uns mit dem griechischen Volk sehr solidarisch und fragten uns, wie wir das jemals schaffen sollen.

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