Im plüschig-roten Hinterzimmer des Café Sacher lohnt sich vor allem des Abends ein Besuch, wenn Küchenchef René Leitgeb sein Repertoire über die traditionsreichen österreichischen Klassiker hinaus erweitert. In letzter Zeit gewannen wir allerdings den Eindruck, dass die Leitgeb’sche Innovationskraft nachgelassen hat. Stellte das Sandwich von Thunfisch und Jakobsmuscheln mit marinierter Gänseleber noch einen dank dezenter geschmacklicher Stimmigkeit fulminanten Auftakt dar, herrschte danach gepflegte Langeweile, wenn auch auf großteils erfreulichem Niveau. Gebratener Steinbutt mit kräftig gewürzter Spinatcreme und Austern-Riesling-Sauce – gut, glacierte Kalbsstelze mit Parmesanpüree und Vanillekarotten – in Ordnung, Tafelspitz à la Eduard Sacher mit Erdäpfelschmarren und Apfelkren – sehr gut, abgesehen von der zu mehlig geratenen Schnittlauchsauce. Auch das Beste von der Blutorange – Parfait, Crème brûlée und Schoko-Orangen-Mousse –, hübsch in drei Schälchen serviert, schmeckte ansprechend. Insgesamt wurde allerdings der für zwei Hauben nach unseren Kriterien erforderliche hohe Grad an Kochkunst und Kreativität im Gegensatz zum Vorjahr nicht erreicht.
Sacher-Graz René Leitgeb
Ein Schluck kräftige Fenchel-Curry-Suppe mit knuspriger Garnele, ein hauchzarter Happen Vitello tonnato: ein viel versprechender Gruß aus René Leitgebs Küche, bestimmt für jene Gäste, die in der plüschig roten Wienerlichkeit des Grazer Café Sacher abseits von Wiener Schnitzel/Tafelspitz/Fiakergulasch dinieren wollen. Mit der Gourmetkarte des Hauses hat der Küchenchef jedenfalls eine gute Möglichkeit gefunden, seine kreativen Fähigkeiten auszuleben, was gleich eingangs beim marinierten rohen Thunfisch mit zart gehobelten Zucchinischeiben und feinherb mariniertem Salat bestens zur Geltung kam. Das herrlich cremige Risotto mit mediterranen Aromen krönten intensive Sardellen mit schönem Schmelz, beim Steinbuttfilet mit Fenchel-Artischocken-Gemüse drängelte sich im zugehörigen Safterl der Safran nicht uncharmant in den Vordergrund. Überhaupt zeigte sich Leitgeb als Meister der Saucen, auch beim schon fast schwammig-weichen Stück vom zartrosa Lamm im Rohschinken-Mantel und einem Lammcurry sorgten die perfekt abgeschmeckten, so intensiven wie raffinierten Saucenaromen für den eigentlichen Kick. Der Erdbeersavarin mit Amarettorahm und Vanilleeis fiel vielleicht eine Spur zu kompakt aus, die Sachertorte: erwartungsgemäß perfekt. Makelloser Service, sehr verlässliche Weinempfehlungen.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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