Betritt man das geschichtsträchtige und altehrwürdige Kloster Und, wirft man zuerst einen Blick in das prachtvolle Kirchenschiff, das kulturellen und kulinarischen Events den Rahmen gibt, und begibt sich gleich danach in die einmalige Atmosphäre des Restaurants, wo man erwartungsvoll dem Abend entgegenblickt. Feine Häppchen wie geeistes Gurkensüppchen mit Lachs, Gänseleber mit Kakaohaube und ein mit Thunfischtatar gefülltes, kleines Stanitzel wurden als Gaumenkitzel serviert, knuspriges Brot mit Butter, Olivenöl und verschiedene Salze folgten. Die Lektüre der Weinkarte und die Auswahl der richtigen Begleiter wird fast zur Aufregung – findet sich dort doch alles, was man gerne trinkt, und das in selten großem Umfang. Der neue Küchenchef Roland Huber begrüßte seine Gäste mit einer wunderbaren Kombination von Flusskrebs und Steinpilzen. Mit einer Creme von der Gänseleber mit F.-X.-Essig, geräuchertem Zarenlachs, Algen, grünem Apfel und feinen Macadamia-Nüssen kam ein hinreißendes Gericht auf den Tisch, das alle Erwartungen übertraf. Nach diesem fulminanten Beginn freuten wir uns auf gebratene Langostinos mit Erbsenconfit, Koriandergnocchi und Langostinobisque und erlebten ein weiteres Highlight. Ebenso souverän zubereitet wie auch bildschön angerichtet erwiesen sich die Zanderbackerln mit Fenchelravioli und pannonischem Safranfumé. Begeisternd auch die Rhabarber-Essenz mit Estragonsorbet und Schnee von der weißen Gewürzschokolade. Als einfallsreiche Kombination mit raffinierten Nuancen erwies sich der gebratene Steinbutt mit Gänseleber, Pilzcannelloni, Topinambur und Thymiannage, sowohl optisch ansprechend wie auch phänomenal gut der schonend gegarte Rücken vom Reh, der von jungen Rüben, Kukuruz und Aromaten begleitet wurde. Bei manchen der feinen, raffinierten Gerichte wäre der Genuss noch größer, kämen diese etwas heißer auf den Tisch. Auch die Patisserie versteht sich exzellent auf ihr Handwerk und stellte es mit dem an Flaumigkeit nicht zu überbietenden Auflauf von Valrhona-Guanaja-Schokolade mit Karamell und Fleur de sel, marinierten Ananas und Kurkumawurzeleis eindrucksvoll unter Beweis. Ebenfalls eine feine Sache: die gefüllten Mandelblätter mit Limettenmousse, Eis und Süppchen von der Himbeere, – gelungener Schlusspunkt eines beeindruckenden Besuchs. Freundliches, kompetentes Serviceteam.
Mörwald „Kloster Und“ Toni Mörwald
Toni Mörwald und sein Talent, immer wieder neue Talente an die Herde seiner Restaurants zu fördern, ist ja schon fast legendär. Viele seiner Chefs, die in seinen Betrieben arbeiteten, haben danach im In- und Ausland Karriere gemacht, manche sogar große Karriere. Sein neuester Fund heißt Roland Huber, ein fleißer Mann ohne Allüren, und wir hoffen, dass er der Mörwald’schen Welt noch längere Zeit erhalten bleibt. Denn dieser Herr Huber hat ein gutes, ja, fast ein geniales Händchen fürs Kochen, für den Umgang mit Produkten und für die feinen Zwischentöne, die ein sehr gutes von einem besonders guten Essen unterscheiden. Sagen wir es so: Besonders gut war eigentlich alles, was wir im ersten Halbjahr 2011 im Kloster Und bei mehreren Besuchen verkosten durften. Ein paar Erinnerungen wollen wir teilen: die an einen der ungewöhnlichsten – und gelungensten – Interpretationsansätze zum oft leidigen Thema Brot, die an ein wunderbares Gericht aus Gartengurke, Kapstachelbeere, Paradeiser und Wacholder zum Beispiel, eine luftig leichte Sommergeschichte, ein gelungener Akt der kulinarischen Rehabilitation der zu diesem Zeitpunkt gerade zu Unrecht in Ungnade gefallenen Gurke. Eine Bachforelle gab Huber mit Artischocken, Kohlrabi und Miso, zur Taube fügte er Eierschwammerln und Pfirsich hinzu und zur köstlichen Lammhuft Bohnen, eine schaumige Erdäpfelvariante und Zitrus, was dem Ganzen einen besonderen Kick verlieh. Als Erfrischung Dirndl, Champagner und Eisenkraut, bevor die Patisserie mit einem Erdbeer-Litschi-Dessert noch eins draufsetzte. Ein Vergnügen vom Amuse gueule bis zu den kleinen Naschereien zum Kaffee, kompetent begleitet vom Service, der durch kaum einen Weinwunsch in Verlegenheit zu bringen ist. Da und dort spürt man natürlich, dass Toni M., der Mann im Hintergrund (oder Vordergrund, wie manche gerne sagen) sehr viel und oft in internationalen Spitzenhäusern speist. Aber aus dieser Tatsache ihm einen Vorwurf zu machen, wäre in Österreich verfehlt, dem ein international inspirierter Ruck niemals schaden kann.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
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