Dass es das Restaurant im Palais Coburg nicht mehr gibt, ist traurig. Das schöne Ambiente im Weinbistro tröstet vielleicht ein bisschen darüber hinweg. Der fürsorgliche Service ebenso. Und so freuten wir uns bei einem Glas Champagner auf das Kommende. Unsere Freude wurde bereits bei dem von Küchenchef Kammlander-Löwe gesandten Gruß etwas gedämpft: Das Amuse gueule – ein Krebscocktail – war zu stark gewürzt. Die Gänseleberterrine war deutlich zu fest und leicht bitter, schade – da wurden wir durch die perfekten Gillardeau-Austern wieder aufgeheitert. Doch ging die Coburg’sche Hochschaubahn mit einer Hummerroulade wieder in Richtung Tal, da sie zu sehr an ein simples Hummer-Cevapcici erinnerte. Die drei Hummerravioli konnten zwar in puncto Qualität und Geschmack überzeugen – aber die Portion empfanden wir schon eher als Chuzpe. Der Rehrücken erfreute uns mit hervorragender Qualität, auch perfektem Garpunkt, die Miniknödel mit Schokolade und Chili waren sehr hübsch anzusehen, haben aber das feine Reharoma zugedeckt. Vollständig ratlos ließ uns das Kohlgemüse zurück – es war einfach zu sauer. Rauchen ist übrigens nur an der Bar erwünscht, strafentschärfend aber wirkt die gute Auswahl an feinen Tabaken und deliziösen Digestifs.
Palais Coburg Basteigarten
Im Gartenpavillon – im Sommer auch im weitläufigen, attraktiv gestalteten Garten – kann man sich ganztägig gastronomisch verwöhnen lassen. Beginnend mit einem Gourmet-Frühstück über ein leichtes Mittagessen und die nachmittägliche Kaffeejause bis zum delikaten Abendessen bestehen alle Optionen. Der neue Coburg-Chef Silvio Nickol hält seine Hand auch über das Zweitlokal, die Küchenlinie ist auf Internationalität ausgerichtet, scheut Experimentierfreude nicht und glänzt mit meisterhaft ausbalancierten Kreationen. So bescherten die vier asiatischen Dips zu den Tempura-Garnelen unterschiedliche, aber in sich stimmige Geschmackserlebnisse. Als komplexes Gericht erwies sich auch das Lachscarpaccio mit roh mariniertem Fenchelsalat und Blutorangen. Besonders kreativ und schmackhaft war das Ochsenschwanzkompott mit Sellerie-Mousseline. Mediterrane Küche at its best gelang mit dem Wolfsbarsch auf Artischocken-Tomaten-Sugo. Ein finaler Hochgenuss die luftigen Salzburger Nockerln auf warmem Himbeerboden. Übertroffen wurde die Ess-Klasse nur noch durch die überragende Weinbegleitung – was man hier im Glas bekommt, wird anderswo nicht einmal aus der Flasche geboten. Ein weiteres Vergnügen ist der Service, kompetent und herzlich zugleich.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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