Die Bemühungen der Firma Red Bull, sich mit dem hauseigenen Fußballklub für die Champions League zu qualifizieren, waren über viele Jahre tapfer, aber fruchtlos. Vielleicht sollte man sich am hauseigenen Restaurant ein Beispiel nehmen, denn dieses hat einfach eine eigene Champions League gegründet. In dieser gastieren die besten Köche der Welt in Form von einmonatigen Gastspielen, bei denen Weltstars wie René Redzepi oder Sergio Herman für die Gestaltung der Menüs verantwortlich zeichnen. Bei unserem Besuch hatten wir das Glück, die begnadete Küche von Jordi und Juan Rocca aus dem katalonischen Girona präsentiert zu bekommen. Angefangen von karamellisierten Oliven mit Anchovisfüllung, die auf einem Bonsai-Bäumchen hängend auf den Tisch kamen und so gut waren, dass man sich vorstellen kann, auch größere solcherart dekorierte Bäume komplett abzuräumen, über mit Apfel und Cava kombinierte Austern, die mit Sherrygelee und Feige verschmolzene Gänseleber, eine mit fünf verschiedenen Saucen servierte, unübertrefflich feine Seezunge bis zum extrem niedrigtemperaturgegarten Lammhals mit süchtig machendem Erdäpfel-Schafkäse-Püree. Alles schlichtweg perfekt und köstlich. Eine moderne Küche, die dem natürlichen Geschmack ihrer Grundprodukte mehr vertraut als oberflächlichen Effekten und dabei wirklich Neuartiges auf den Tisch zu zaubern versteht. Wie zum Beispiel als Abschluss eine Schafmilcheis- und -joghurt-Kombination mit Guave und Zuckerwatte – ein besseres Dessert hat man heuer hierzulande schwer woanders bekommen. Dafür müsste man sonst in die Nähe von Barcelona fliegen, und so gesehen hat uns der Haussponsor an diesem Abend tatsächlich Flügel verliehen.
Ikarus Ondrej Kovar
Roland Trettl – wäre er einer, der für seine top kochenden Kollegen so etwas wie Neid oder Häme überhätte, was nicht der Fall ist – er hätte schmunzeln können über die Plagiatsdiskussion, die im Frühjahr 2011 im kulinarisch sonst so ruhigen Österreich für ein paar Empörungen sorgte. Denn im Ikarus ist das Plagiat Programm. Je besser es Trettls Crew gelingt, die Rezepte des Kochs des Monats nachzubilden, desto größer die Zufriedenheit der Gäste. (Darunter übrigens so viele Kollegen und Gastronomen wie wohl in kaum einem anderen Restaurant dieses Landes.) Einen Drei-Sterne-Chef aus Chicago oder Bergamo nachzukochen, ist ja keine Kleinigkeit. Daneben entwickelt Trettl aber noch eine sozusagen hauseigene Variante und stellt sich somit dem Wettbewerb mit den Besten. Schneid hatte er ja schon immer. Eine feine Klinge wohl auch. Nichts, was hier auf die Teller kommt, erweist sich als handwerklich angreifbar. Mehr noch: man ist auch als hartgesottener Gast in den besseren Restaurants beeindruckt, wie neue Techniken und Verfahren hier in einem Tempo implementiert werden, das dem Gast (vor allem auch vielen Köchen, die im Ikarus gescheitert sind) buchstäblich den Atem raubt. Die Produkte? Ausgesucht. Hier erweist es sich als hilfreich, dass der Wareneinsatz in dieser Küche vielleicht nicht ganz so streng kalkuliert werden muss. Egal. Welche Speise sollen wir nun zitieren? Vielleicht den marinierten Taschenkrebs mit Daikonrettich und Krustentiermayonnaise, ein zartes und dennoch prononciert aromatisches Entree. Oder ein wirklich wunderbar geratenes Lamm mit Morcheln und Kopfsalat. Vielleicht auch die phantastischen Desserts, State of the Art in jedem Fall. Das Problem ist: Sie werden kaum etwas, was es hier zum Beispiel in den Monaten Februar oder Juni gab, zu einem anderen Zeitpunkt je wieder zu essen kriegen. Auch die Weine werden dem jeweiligen Menü des Monats und dem Umfeld, wo es geschaffen wurde, angepasst. So wähnt sich der Gast für eine oder zwei Stunden kurz in Kalifornien, in Sydney oder Kopenhagen. Ein Blick auf die Zwinger der Hundepolizeischule gegenüber dem Hangar 7 lässt ihn dann erkennen: der Flughafen ist zwar nahe, aber man ist immer noch am Stadtrand Salzburgs.
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
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