Die Osteria d’Atri bringt ein kleines Stück Italien nach Wien. Mit einem typisch freundlichen sowie aufmerksamen südländischen Service punktet das kleine Restaurant sofort. Dieses Jahr erfreute auch die Küche mit ihren Leistungen: Ein pikantes Beef Tatar eröffnete auf anregende Art unser Diner. Danach gefielen uns hausgemachte Maltagliati – grob dreieckförmig geschnittene Nudeln, wörtlich übersetzt: schlecht geschnitten – mit gemischten Meeresfrüchten, wobei uns besonders die frischen Messerscheidemuscheln wegen ihres einzigartigen Geschmackes noch lange in Erinnerung bleiben werden. Die Dorade in der Salz-Brotkruste erwies sich als gekonnte Umsetzung dieses Zubereitungsklassikers, dem dazu gereichten Blattspinat hätte eine Verfeinerung mit Knoblauch und einer Prise mehr Salz nicht geschadet. Bevor wir uns mit einem großen Grappa für den Heimweg stärkten, verkosteten wir noch den typischen Klassiker der italienischen Dessertküche: ein Tiramisu, das leider – angesichts mangelnder Geschmacksintensität – nicht ganz mit den übrigen Leistungen mithalten konnte. Trotzdem, einer der besten Italiener der Stadt.
Osteria d‘Atri Nicola d'Atri
Hat es etwas zu bedeuten, wenn ein Lokal gähnend leer ist, während das Restaurant gleich nebenan aus allen Nähten platzt? Gut, man kann es auch positiv sehen: Wir hatten freie Tischwahl. Und die Kellner freuten sich, weil sie endlich was zu tun bekamen. Einer von ihnen schleppte sogleich die Speisekarte an, die hier auf einer kellerfenstergroßen Schiefertafel steht. Das Angebot ist überschaubar: drei Vorspeisen, dreimal Pasta, fünf Hauptgerichte, basta. Wir wählten Burrata con pomodori verdi e emulsione di Alici, was nach großer Oper klang, aber leider um keinen Deut subtiler schmeckte als Mozzarella mit Tomaten, noch dazu in einer geradezu lächerlich kleinen Portion. Die Tubettini con fagioli, cozze e vongole (Teigware mit Bohnen und Muscheln) waren so kräftig gepfeffert, dass alle anderen Geschmacksnuancen mühelos überlagert wurden. Die Goldbrasse, im Ganzen für zwei im Salzteig serviert, war dagegen sehr schmackhaft, das dazu gereichte Röstgemüse freilich fantasielos. Und das Tiramisu-Törtchen zum Abschluss hätten wir in der Pizzeria ums Eck vermutlich in ähnlicher Qualität bekommen. Offenbar hatte die eingangs gemachte Beobachtung doch einen Grund.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Kommentare werden geladen...