Auch wenn einem der das touristische Toleranzniveau weit überschreitende Liebreiz der Freistadt Rust mitunter schon recht auf die Nerven gehen kann – in diesem Wirtshaus passt er genau: Das schmale Gässchen zwischen den beiden Häusern vermittelt südliches Flair, der sich öffnende Hof, umgeben von alten Mauern, ist einfach nur wunderschön. Das Innere des kleinen Gastraumes ist eher schlicht, auf der Speisekarte bemerkten wir in den vergangenen Jahren aber eine kontinuierlich steigende Ambition, eben nicht schlicht zu sein: Das Eierschwammerltatar etwa kam auf einem Joghurt-Sockel zu liegen, hübsch, aber geschmacklich irrelevant, Gurkenröllchen dazu und ziemlich viel Kürbiskernpesto, das erwartungsgemäß dominierte und das Gericht zu einem Kürbiskernpestotatar machte. Und weil grad Saison war, gab’s gebackene Steinpilze, wunderschöne, kleine Preziosen, für diese (radikale) Zubereitungsmethode leider viel zu dünn geschnitten und zu heiß paniert. Der kross gebratene Neusiedler-See-Zander wurde von Ingwer-Paprika-Confit und Grammelrisotto begleitet, etwas weihnachtlich, aber durchaus nicht uninteressant. Ob zu dieser neo-pannonischen Kreation ein anderer Fisch nicht besser gepasst hätte, Wels oder Karpfen, bleibt dennoch die Frage. Vanille-Cannelloni – Knusperrolle mit Topfencreme – auf Marillenconfit auch nicht schlecht, aber auch hier: Ein bisschen weniger Confit und Tütü, etwas weniger Ornamente, etwas mehr Konzentration auf das Produkt wären durchaus eine Überlegung wert.
Wirtshaus im Hofgassl Susanne und Michael Pilz
Die Freistadt Rust hat viele hübsche Ecken und ein paar weniger hübsche Kanten. Doch was das Ambiente des Wirtshauses im Hofgassl betrifft, ist sich eine überwältigende Mehrheit einig. Handelt es sich hierbei doch schlichtweg um eines der schönsten Etablissements der Region. Ein schmales Gässchen, ein sich öffnender Hof, malerisch ist da gar kein Ausdruck. Umso erfreulicher, dass die Leistung hinsichtlich Küche, Keller und Service dem Ambiente kaum nachsteht. Die Gänseleber kam wunderschön rausgeputzt aus dem Küchentrakt und war schulmäßig zubereitet, etwas mehr Säure hätte jedoch einen leichtfüßigeren Einstieg in den Abend gewährleistet. Lange zwanzig Minuten später folgte eine Curry-Suppe mit Limette, Zitronengras und ortsansässigem Fisch und war von einer derartigen Finesse, dass wir uns etwaige Vorräte davon gern in Flaschen mit nach Hause genommen hätten. Die Nerven hielten. Dann kam das Rind. Genauer, das Schulterscherzl mit seinen klassischen Beilagen. Und es stellte sich ein befremdliches Gefühl von Mittelmaß ein. Alles war okay, nichts war schlecht, doch bei einem dritten Gang ist es genau dieses Mittelmaß, das einem den Spaß raubt. Schön aber erwähnen zu können, dass es nur eines Glases reifen Ruster Ausbruchs bedurfte (offen und fair kalkuliert), um die alte Ordnung wiederherzustellen und diesem Ort weiterhin die uneingeschränkte Treue zu halten.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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