Detailansicht 2012

2011
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Der 18. Bezirk steht bei Touristen nicht unbedingt auf dem Pflichtprogramm. Daher bietet sich der Währinger Hieb für kulinarisch Interessierte geradezu an, um dem Schnitzel- und Sachertortenklischee der Hauptstadt zu entkommen. Im Kutschker 44 gelang uns die Flucht aus der touristischen Realität zunächst mit einem mild angemachten Beef Tatar, das durch einen Chili-Dip und von Erdäpfelchips begleitet wurde. Ein pfeffriger Veltliner aus dem Traisental harmonierte ideal mit der würzigen Bärlauchcremesuppe mit Topfenpalatschinke und dem exotisch klingenden Karpfenfilet „Hawaii“, bei dem die wohl namensgebenden, kross gebratenen Ananasscheiben wunderbar mit dem beliebten Speisefisch harmonierten. Wie wir generell feststellen durften, dass Georg Stadtthaler seine außergewöhnliche Sensibilität im Umgang mit feinem Fisch immer wieder unter Beweis stellt. Süßes stand diesmal nicht auf dem Programm, dafür verkosteten wir eine Käsevariation, die durch Marmeladen – Erdbeere und Marille – begleitet wurde. In diesem Bereich bestünde mit Sicherheit bezüglich Präsentation sowie Auswahl Verbesserungsbedarf.

2010
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


Der Platz ist nett, der liebreizende Kutschkermarkt nah, das Lokal durchaus hübsch – wenn man cooles 90er-Design mag. Und Georg Stadtthaler ist ein zweifellos interessanter Koch, der im Steirereck und im Schwarzenberg Dienst verrichtete, und dessen Fähigkeiten Wiens Vegetarier-Pionier Christian Wrenkh dereinst dazu motivierten, auch Fleisch und Fisch anzubieten. Seit einigen Jahren kocht Stadtthaler nun schon in seinem eigenen Lokal, und zwar mitten im Lokal, und wir stellten fest, dass der junge Mann eine beachtliche Entwicklung durchmachte. Eine Sauermilch-Radieschen-Kaltschale, erfrischend säuerlich (assistiert allerdings von einem fehlkonstruierten Rote-Rüben-Täschchen), war die Suppe des vergangenen Sommers, und wenn – wie in Wien ja üblich – Stadtthalers kalte Tagliatelle mit Minze und pikantem Melonensalat in Zukunft tausendfach kopiert würden, wäre uns das nur recht. Erstklassiges Beuschel als Hommage an lokale Tradition, und dass ein so langweilig klingendes Gericht wie Reinankenfilets mit breiten Bohnen und Petersilerdäpfeln dann derart delikat und stimmig schmecken kann – der Fisch exakt gebraten, die Fisolen mit Kaffirlimonenblatt zu einer erfrischenden Köstlichkeit gedämpft –, überraschte uns überaus positiv. Toll auch die Kombination aus Wildschwein-Burger und -Steak mit (eher langweiligem) Kürbis und Hollerkoch – genauso schön anzusehen wie mit Freude zu verspeisen. Das Käse-Sortiment – von Irene Pöhl am Kutschkermarkt – übertrifft das gängige Angebot bei Weitem. Das Kutschker 44 hat seinen Schritt aus der Szenegastronomie in Richtung ernst zu nehmendem Restaurant für aufgeschlossene Esser deutlich getan. Aufwertung!

2009
12

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GAULT MILLAU Österreich 2009.


Es ist schon einige Jahre her, seit mit dem Kutschker 44 die "kulinarische Moderne" in Währing eingezogen ist. So erfrischend neuzeitlich - im Vergleich zu den meisten übrigen Lokalen des Bezirks - die Raumgestaltung, der offene Kochplatz, der ungezwungen-freundliche Service und die interessant zu lesende Speisekarte auch wirkt - am Teller würde man sich mehr erwarten. Weniger die Quantität ist gemeint - wenngleich die Hauptspeisenportion des (auch als Vorspeise angebotenen) Risottos mit Shii-Take-Pilzen ruhig etwas größer ausfallen könnte - nein, wir denken eher an die langweilige Durchschnittlichkeit der Petersilwurzelsuppe mit (einem Hauch von Trüffel-)Champignons, an das jegliche Raffinesse vermissende gebratene Bachsaiblingsfilet mit Jakobsmuscheln, Crèmespinat und alles dominierendem Kren sowie an die mit Vanilleeis gefüllte, geschmorte Schokobirne - ein Hauch von kaltem Schokoladeüberzug mit picksüßer Fruchtsauce. Da wäre uns die klassische Birne Helene lieber gewesen.

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Kutschker 44 Birgit und Georg Stadtthaler

Das Kutschker 44 entpuppte sich als Enttäuschung: Es begann mit einer Indiskretion, oder nennen wir es Ehrlichkeit, der Kellnerin. Nein, die gebackene Maishendlbrust mit Erbsenpüree, Kernöl und Kukuruzsalat gibt es nur gebacken, weil sie schon so vorgebacken ist. Versalzen war sie zu diesem Zeitpunkt vermutlich auch schon. Bei der klaren Fischsuppe suchte der Tester einen versteckten Geschmack, eine Idee, aber da war nichts: öde Suppe, daneben saure Orangenscheiben und Fenchel. Auch das Hauptgericht erschloss sich nicht: Das gebratene Lachsforellenfilet hatte zu viel Essig abbekommen, das Lachstatar eine Überdosis Senf. Schade.

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