Heute hat sich herumgesprochen, dass Richard Rauch mit 25 Jahren zu den größten Koch-Talenten des Landes zählt, vor allem, wenn man bedenkt, dass er noch am Anfang seiner Entwicklung steht – ein Autodidakt von anscheinend unerschöpflichem Einfallsreichtum, der sich lediglich im Urlaub immer wieder Anregungen bei den Großen des Metiers holt. Schwester Sonja wacht über das Restaurant und die beeindruckende Weinkarte, Fleisch, Schinken und Speck kommen aus der benachbarten Fleischhauerei des Vaters und Bruders. Zum Beispiel ein Rückenstück vom Ferkel des „Johann-Freilandschweins“: sanft gegartes Fleisch, oben drauf knuspriges Schwartl-Popcorn als eine Art Kruste, begleitet von „Ravioli“ aus dünnen Kohlrabischeiben, die mit Räucherforellenmousse gefüllt waren. Das ganz klassisch-reduzierte Gulasch aus Ochsenbackerln war von tiefdunkler Farbe, intensivem Duft und hinreißend saftiger Molligkeit. Ein gekochter Kavalierspitz vom Vulkanland-Hirtenrind lag auf einem Bett von Käferbohnen in Muschelfond – harmonischer ist die Verschränkung von Meeres- und Waldaromen selten gelungen. Einigermaßen spektakulär wurde der Hirschkalbsrücken serviert, nämlich mit dünnem Spanholz umwickelt, das bei Tisch angezündet wurde und dem Fleisch ein unvergleichliches Aroma nach frischem Rauch verlieh, dazu knuspriger Eierschwammerltoast und Brombeeren. Doch Richard Rauch versteht sich nicht nur auf Fleisch. Eine wichtige Rolle spielten bei unserem Menü fast vergessene heimische Kräuter wie Wiesenerbsenkraut, Gartenmelde, Gewürzfenchel und Girsch. Letzterer krönte ein Gericht aus gedämpftem Neusiedlersee-Zander mit Flusskrebsen in einer würzigen Sauce aus Melone und Tomate. Bleiben noch die Desserts zu erwähnen: Estragonsorbet oder Lavendel-Karamell-Lutscher zeigen auch hier die Lust, Neues zu versuchen.
Steira-Wirt Sonja und Richard Rauch
In einen kulinarischen Kosmos eintauchen zu können, der gleichermaßen von Können und Abenteuerlust geprägt ist – dieses rare Glück verantwortet beim Steirawirt ein Geschwisterteam: Patronne Sonja Rauch sorgt für umsichtigen Service, und in der Küche zeigt Bruder Richard mit Mitte zwanzig ein fast atemberaubendes Können und Entwicklungspotenzial. Schon mit dem Gruß aus der Küche wurde groß aufgezeigt: gelierte Karottensuppe mit geeisten Calamansi-Perlen und ein Ziegenkäseschäumchen mit Rosenblütenblättern belegten Rauchs Meisterschaft für hauchzarte Aromen. Und dass die Harmonie auch stimmt, wenn aromatisch geklotzt wird, erwies sich am gebeizten Rindfleisch mit zweierlei Kohlrabi, Sommertrüffel, Olivenhollandaise. Sympathisch: Rauch bringt derlei ohne großes Showing-off über die Bühne. Ein intensiv fruchtiger Paradeisfond mit Paprikaschaum, Flusskrebsen und Frischkäsetascherln, ein in Baumrinde zart angeräuchertes Filet vom (selbst geschossenen) Rehbock mit Erbsen, Eierschwammerln, Powidl und tollem Fond: große Klasse, wie hier mit den (großteils) regionalen Zutaten umgegangen wird. Zum Abschluss gab's unorthodoxe Köstlichkeiten wie gefüllte Himbeeren, Bergamotte-Marshmallows, bunte Macarons. Und: Den Weinempfehlungen der Patronne kann man sich getrost überlassen.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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