Joachim Gradwohl ist ein Mann der feinen Töne. Heftige Kontraste und wilde Teller-Konstruktionen sind seine Sache nicht. Das fügt sich durchaus zum Ambiente, das weniger die Atmosphäre eines Spitzenrestaurants, sondern die eines vornehmen Clubs verströmt. Bei den Gerichten zeigt sich, dass Gradwohl bestimmte Kombinationen durchaus beibehält und doch immer wieder etwas abwandelt. Waren es im Vorjahr Kalamari, so begleiteten diesmal mit Gewürzen pikant "umgetrimmte" Ananas-Würfelchen den Thunfisch mit Avocadocreme. Konkret handelte es sich um ein Thunfischröllchen in Sashimi Qualität, gefüllt mit Thunfischtatar. Eine kleine Menge der Ananas verpasste dem Rohfisch Pep, zuviel durfte man aber nicht erwischen. Die Rindsuppe mit flaumigem Butternockerl und Eiraviolo präsentierte sich als eine Luxusversion der Bouillon mit Ei, in einen hauchdünnen Raviolo war Dotter gepackt. Wie ein Künstler mit fettem Fleisch umgeht, erlebten wir beim glacierten Spanferkelbauch auf fein gewürztem Brunnenkressespinat mit winzigen, gebratenen Kalamari - Harmonie pur mit grandioser Produktqualität. Der Saibling in Eierschwammerl-Paradeiserfond mit Kalbskopf und Butternockerl war gerade gar gezogen, der Fond erwies sich in seiner Feinheit als nicht zu starker Partner zum feinen Fischgeschmack. Die Lammschulter war von einer nicht zu verbessernden Garung und hatte einen wunderbaren Fleischgeschmack, die dazu gereichten Eierschwammerl und Saubohnen gerieten detto sehr gut, nach all den aufregenden Kombinationen kam uns dieses Gericht aber unerwartet schlicht vor. Wieder aufregend wurde es bei der Kardamom-Marillentarte mit Marzipaneis, das markante Gewürz war auf die Frucht und das Eis so hindosiert, sodass sich abschließend die pure Harmonie einstellte. Dass Service und die Weinkarte zum Besten zählen, was es in Österreich diesbezüglich gibt, sei erneut unterstrichen.
Meinl am Graben
Ein Luxuslokal ist das Restaurant im Meinl am Graben auch mit dem neuen Konzept nach dem Abgang von Joachim Gradwohl geblieben. Auf den ersten Blick hat sich nur wenig geändert, außer, dass man jetzt zu Mittag wesentlich leichter einen Tisch bekommt. Ein Blick auf die Karte – und dann auf die servierten Gerichte – macht jedoch rasch klar, dass hier eine andere Schiene gefahren wird. Es dominieren zwar nach wie vor Luxusprodukte, doch werden diese deutlich schlichter präsentiert. Statt vielgängiger Menüs wie früher, wird heute drei bis maximal viergängig gespeist. Bei weniger Gängen und entsprechend größeren Portionen fallen kleinere Misstöne jedoch größer ins Gewicht. Bei den hervorragenden frischen Austern, die wir vorab bestellten, war die Welt noch in Ordnung, bei der Oktopus-Lasagne mit mallorquinischem Gemüse zogen erste Gewitterwolken auf. Das Schweinsfilet mit Lardo und Schwammerlstrudel – eine Tagesempfehlung – war in Ordnung, aber doch sehr banal. Gut zwar die Qualität des Steinbutts, doch das gedünstete Gemüse als Begleitung bereitete unserem Gemüt ein Donnergrollen. Eine kleine Ehrenrettung dann der abschließende Mohr im Hemd zum Dessert, der das drohende Sommergewitter an uns vorbeiziehen ließ und wieder Sonnenschein verbreitete. Fazit: Wer ein edles Restaurant mit fantastischem Blick mitten in der Stadt sucht und mit solide gekochten Luxusgerichten kulinarisch das Auslangen findet, ist hier gut bedient. Mehr Liebe zum Detail – gerade bei den Beilagen – würde dem Meinl dennoch gut anstehen.
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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