Mit dem Gasthof Kalteis in Kirchberg erlebt eine unter Feinschmeckern beliebte Adresse eine positive Weiterentwicklung. Man wählt aus der leichten Sommerküche oder österreichische Hausmannskost, auch das vegetarische Frühlingsmenü und das große Abendmenü machen neugierig. Eine feine, heiße Consommé vom Reh mit Rehleberknödel und Gemüse war ein geschmackvoller Beginn, raffiniert zubereitet der marinierte Alpenlachs samt Wildsaiblingskaviar mit würzigem Glasnudelsalat. Weniger geglückt erschienen uns die Eierschwammerln in Rahmsauce – zu deftig, zu wenig gewürzt, sehr fest die Semmelknödel. Der nächste Gang machte es wieder gut: ein ausgezeichnetes, naturgebratenes Zanderfilet auf Nudeln mit Traisentaler Spargel und Blattsalaten. Die Portionsgröße verlangte großen Appetit, obwohl der Spargel die Küche gar nicht verlassen hatte. Da man sich hier im so genannten Dirndltal befindet, wählten wir ein einschlägiges Dessert:: wunderbar und klassisch die Crème brûlée, sehr erfrischend das Dirndl-Lemongrass-Sorbet. Auch der Verführung von köstlichster Art aus der Mehlspeisküche konnten wir nicht widerstehen – der Haustorte –, eine Nusstorte mit Malakofffülle und Schokolade. Zum Abschluss lohnt sich noch ein Blick in das „Schnapsbuch", wo eine einzigartige Auswahl an Spitzenbränden das Genießerherz höher schlagen lässt.
Kalteis Hubert Kalteis
Was ein echtes Wirtshaus so heimelig macht, sind nicht überfüllte, aber doch gut besuchte Räumlichkeiten mit dem Gemurmel der Gäste und dem Geklapper aus der Küche als akustische Untermalung. Genau das trifft für den Gasthof Kalteis zu. Das Geschehen am Herd lenkt Senior-Chefin Theresia Kalteis, die es durchaus versteht, Pielachtaler Spezialitäten mit neuen, interessanten Rezepten aus anderen Regionalküchen bzw. Kulturen aufzuwerten. Zum kross gebratenen Filet vom Schwarzenbacher Alpenlachs serviert sie eine leichte Curry-Kokos-Ingwer-Sauce, die sehr dezent wirkt und weder den Fisch noch das Risotto mit seinem knackigen grünen Spargel zu sehr dominiert. Die Sauce zum Maibock-Rücken verfeinert sie mit den im Pielachtal beheimateten Dirndln (Kornelkirschen) – ihre Säure mildert sie mit rotem Pfeffer, der für ein angenehmes Prickeln im Abgang sorgt. Raffiniert auch die Beilage zum Wild: eine knusprige mit Erdäpfel-Mangold gefüllte Teighülle, dem „Liebesknoten” nachempfunden – einer rund um den Gardasee verbreiteten Pastaspezialität. Von Liebe zum Detail und zu den Grundprodukten der Region (die meisten zertifiziert mit Herkunftsbezeichnung) zeugen auch die Desserts: sehr apart und fast etwas exotisch wirkte der Dirndlschafkäse mit Ingwer-Chili-Schokolade, anheimelnd weich und flaumig die gebackenen Hollerblüten mit Dirndlsorbet. Die Weinkarte wurde mit Sorgfalt und Gespür zusammengestellt und auch bei den Digestifs lässt das Haus sehr viel Expertise erkennen.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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