Stadthitze (auch das gab es vergangenes Jahr in Wien), Erschöpfung, Rettung. Ein Platz in einem der schönsten Ensembles der Innenstadt, dem Schulhof, unter Bäumen, Blick auf alte Gemäuer und Kirchen. Der beste Campari-Spritz der Stadt. In einem schlichten Tumbler. Mit Eis, Prosecco und sonst nichts. Wie kultiviert man in Wien essen und trinken könnte, wenn es alle so gelassen tun könnten wie dieses kleine, unspektakuläre Lokal. Hier wird so gekocht, wie man es für Gäste gerne zu Hause machen würde. Ohne gastronomische Hintertüren (Fonds etc.), in kleinen Mengen, überschaubar gut. Das Menü um € 48,– ist ein wirklich gutes Geschäft – und zwar für den Gast. Wir erfrischten uns an bretonischen Artischocken, dann eine perfekt abgeschmeckte, kalte Gurkensuppe, hausgemachte Nudeln mit Sardellen, Pinienkernen, Fenchel und Bottarga, schön scharf, gefolgt von einem Hendlbrüstchen mit Pastinaken-Mangold-Gröstl und Zitronensauce, schließlich Bitterschokoladetarte mit Marille. Schöne Weinauswahl. Und damit Sie nicht glauben, wir waren irgendwie gaga von der Sommerhitze: Auch in der kalten Jahreszeit aßen wir hier stets verlässlich und bisweilen hervorragend (Salat mit Rüben und Blunzen, Kalbskotelett ... schwere Rotweine).
Zum finsteren Stern Ella de Silva
Die Karotte ist das neue Filetsteak, hört man derzeit immer wieder. Dass da gar nichts dagegen spricht, zeigt der Finstere Stern mit seiner „Carotte râpée“ zur Vorspeise: Mit Minze, Honig, Rahm und (etwas wenig) Büffelfrischkäse macht die Wurzel tatsächlich einiges her. Auch mit Fisch weiß man im schönen Gewölbekeller am noch schöneren Schulhof umzugehen: Der marinierte Seeteufel mit Garnele, Chili-Tomaten-Sauce und Avocado-Crêpe war als feurig-frische, herzerwärmende Mexiko-Reminiszenz genau das Richtige im eisigen Wiener Winter. Fleisch gab es dann doch: Kalbsrücken mit Kapern-Zitronen-Sauce, innen zartrosa, außen knusprig-karamellig, schlicht perfekt. Oder eine – allerdings um einiges zu feste – Entenkeule mit würziger Orangensauce. Das Sellerie-Kürbis-Püree dazu hatte zwar eine schöne Farbe, aber wenig Geschmack. Die Desserts – Apfel-Tartelette, Japonais-Törtchen – waren, wenn schon nicht umwerfend, sehr ordentlich. Eine vernünftige Weinauswahl und ein entspannter, aber nicht nachlässiger Service sorgen neben der lustvoll inspirierten, im besten Sinn weltoffenen Küche für gute Laune.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Kommentare werden geladen...