Sich lautstark in Szene zu setzen, ist unter Köchen längst Usus. Dass ein Stiller wie Norbert Thaller sich da durchsetzt, ist ein gutes Zeichen – er lässt schlicht seine Kreationen für sich sprechen. Sanft gegarte Stücke vom Weidehendl mit Radieschen, Olivenöl und Kräutern serviert Thaller mit einem grazilen Stundenei und – fabelhaft! – in Essig gequollenen Kressesamen. Die perfekt temperierte kalte Gemüsesuppe wird mit Tomatenstückchen und zart getoastetem Olivenbrot serviert, das exzellente Lachsforellenfielt mit gehobeltem Kohlrabi und flaumigen Erdäpfelknöderln – für die Aromenexplosion sorgt etwas Limettenzeste. So funktioniert Thallers Küche: effektreich, ohne aufzutrumpfen, qualitätsbewusst bis ins Detail und basierend auf ausgewählten regionalen Zutaten (vorzugsweise biologisch). Dass die köstliche Rohmilchcreme mit Eis und Sauce von tropischen Früchten mit Karotten serviert wird, ist eine Spielerei, die Cremeschnitte mit Tahitivanille und frischen Erdbeeren einfach geradlinig gut. Zugkräftiger Sommerbonus: der lauschige Garten. Beim Wein lohnt die Frage nach glasweisen Kreszenzen. Zweite Haube? Definitiv in Reichweite.
Thaller Norbert Thaller
Es zeichnete sich bereits in den vergangenen Jahren ab und nach unseren letzten Besuchen in der „Autobahnraststätte der anderen Art“ (nur drei Minuten von der Abfahrt Vogau entfernt) steht endgültig fest: Der Thaller verdient zwei Hauben. Das abendliche Angebot ist klein (zwei Menüs), hat es aber in sich: Schon beim ersten Küchengruß, Spargel-Reis mit frischen Kräutern aus dem eigenen Garten, wurde klar, dass es sich bei Küchenchef Norbert Thaller, der sich nie in den Society-Vordergrund drängt, um einen der ganz Großen handelt – erfrischende Kreativität, gepaart mit Regionalität, Gefühl für Harmonie am Teller und erstklassige Produkt-Wahl. Manches gibt’s hier schon länger wie das famose Stundenei, bei 62° eine Stunde gegart, von wachsweicher Konsistenz. Anderes scheint ganz einfach, wie der als Zwischengericht servierte zweierlei Spargel mit Sauce hollandaise, Morcheln und Trüffelscheiben. Oder der Fisch: Ein im tiefen Teller serviertes Stück vom kross gebratenen Saibling auf Olivenkraut, darunter feinste Paprika und Miniparadeiser in köstlicher Oliven-Paprika-Sauce. Beim Schweinsrücken bestand die Gefahr, dass man einen solchen hinkünftig nirgendwo anders mehr essen will: butterweich, saftig-dick, dazu Senfpüree und junger Knoblauch. „Die Wurz’n müssen Sie unbedingt mitessen!“, befiehlt die junge Wirtin, die gemeinsam mit der Schwiegermutter effizient wie kompetent den Service lenkt. Beim Käse (acht Sorten Rohmilchkäse) durfte es neben regionaler Ziege und Bioschaf auch was Französisches sein, und das erfreulich leichte Dessert führte uns gar nach Japan. Panna cotta und Eis von der Wollmispel (gemeinsam mit Marille und Banane). Dass es zu jedem Gang die passende glasweise Weinempfehlung gab, darunter auch reife Weiße, rundete das positive Bild ab. Mittags wird in der gemütlichen Gaststube eine einfachere Küche geboten.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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