Frau Kim kocht nicht nur, sie gewährt auch gerne Einblick in die Geheimnisse ihres Schaffens am Herd, einer gekonnten Mischung aus Asia-Einflüssen plus bester Qualität plus hie und da ein Zitat europäischer Gebräuche. Sie schreibt Bücher, die dann Bestseller werden. Sie gibt Kochkurse, deren Teilnahme unter den Wiener Hobbyköchen gehandelt wird wie Kaviar aus Persien. Letztens eröffnete sie einen cool designten Stand in der exklusivsten Region des Naschmarkts, wo samstags kleine Koch-&-Wein-Sessions vor Publikum abgehalten werden. Hier gibt es auch Gewürze zu kaufen wie Kims asiatisches Pesto, das wunderbar zum Fisch passt. Und man könnte meinen, die Wiener wären dank dieser vielfältigen Unterstützung jetzt schon im Stande, zu Hause so zu kochen, wie Kim kocht. Doch man hört und staunt nicht wirklich: Das kleine, edel gestaltete Restaurant ist bestens gebucht. Liegt es an den günstigen Preisen? Wohl eher an der Qualität. Denn es braucht halt schon ein bisschen mehr als ein gutes Rezept, um Dinge auf den Teller zu zaubern, wie es Kim und ihre Kochmannschaft vor den Gästen in ihrer kleinen Schauküche tun. Ein Salat aus Lemongrass und Mango gerät zu einer bunten Aromenbombe, darauf perfekt gebratener Thunfisch mit Sesam. Wunderbar. Fisch und Kokos, Garnelen und Mango, alles wirkt logisch und schmeckt, wobei Kim dem Wiener Gaumen nie zu viel an Schärfe und Akzentuiertheit zumutet. Die Weinempfehlungen beziehen sich hier traditionellerweise auf den Wiener Süden, und Zierfandler und Kollegen machen sich immer ausgezeichnet zu Kims Kreationen. Bei ausgiebigem Konsum merkt der Gast dann doch, wie leicht die Kim’sche Küche ist – und fährt besser mit dem Taxi nach Hause.
Kim kocht Sohyi Kim
„Kim kocht“ ist ein besonderes Lokal. Hier ist – seit mittlerweile zehn Jahren – kaum etwas so wie anderswo, und hier werden Umstände akzeptiert, die anderswo auf der Welt zwar längst gastronomische Selbstverständlichkeit sind, in Österreich aber noch Empörung bis Ablehnung hervorrufen. Lange Reservierungsdauer etwa oder die Zweimal-Belegung des abendlichen Tisches. Sohyi Kim, diese überaus fleißige Frau, deren Kreativität und Schaffenskraft ihren Fleiß noch zu überflügeln scheint, ist eine der ganz, ganz wenigen, die dem österreichischen Publikum so etwas zuzumuten vermag. Das liegt an ihrem Charisma, an ihrem Charme und natürlich an ihrer speziellen Küche. Einer Küche der Kombinationen, der Aromen, der Frische, der Überraschungen. Und der Variation ihres Lieblingsthemas Thunfisch, der in ihren beiden Menüs – Fisch und Meeresfrüchte – stets eine große Rolle spielt. Etwa in einer Etagere in drei Versionen serviert, süßsauer roh mariniert, angebraten und mit Hibiskus-Salz oder in Kombination mit Nudeln oder als spicy Tatar mit japanischem Rettich und Granatapfel und natürlich – der Klassiker des Hauses – in Kombination mit Grammeln, immer wieder fantastisch. Die gefüllte Seezunge mit Papaya, Amaranth-Sardinen-Risotto und Thai-Basilikum-Samen, mit etwas chinesischem Bärlauch-Öl und feinen Salzflocken serviert, schmeckte so wie sie aussah – ein Kunstwerk. Ein anderes mal kam sie mit Bitter-Zitronen im Backpapier gegart, großartig. Das Dry-aged-Filet mit Teriyaki-Sauce, Nudeln und Wok-Gemüse hinterließ dafür kaum den Eindruck der Besonderheit. Zum Abschluss eine Dessertvariation: Eis-Mango-Sorbet, Lemongras-Crème-brûlée und Schokomus mit Kokos, fein und elegant, wenngleich auch schon seit Jahren unverändert. Die Weinkarte erfreut mit großer Vielfalt und Getränken, die auf heimischen Karten sonst selten zu finden sind, hier aber die perfekte Begleitung darstellen.
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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