Das Tancredi ist ein entspanntes, unprätentiöses Restaurant, in dem seit Jahren auf verlässlich hohem Niveau gekocht wird. Das sympathische Ambiente und der überaus aufmerksame Service, der die Balance zwischen notwendiger Distanz und lockerer Gastfreundschaft perfekt beherrscht, ließen den Abend äußerst harmonisch verlaufen. Doch auch kulinarisch wird hier einiges geboten, wenngleich man sich keine allzu kreativen Höhenflüge erwarten sollte. Zum Auftakt starteten wir mit einem Hirsch-Weißmohn-Leberkäse (originell) und einem feinen Rinds-Carpaccio, das leider so kalt serviert wurde, dass der Geschmack des erstklassigen Fleisches erst nach zehn Minuten zum Vorschein kam. Der „eisgefischte“ Zander aus dem Neusiedler See war dann ebenso tadellos auf den Punkt gebraten wie die Saiblingsfilets mit Erdäpfeln und Gemüse. Gut, aber nicht sensationell – und das um satte € 25,– die nirgendwo vermerkt, sondern als Tagesempfehlung verpackt waren. Die Beilagen zu den Hauptspeisen können nach Lust und Laune variiert werden. Hervorragend auch das Dessert, eine Crème brûlée mit zweierlei fruchtigen Sorbets. Zusätzlich zu der ohnehin schon sehr umfangreichen Karte werden täglich zwei bis drei Tagesempfehlungen angeboten. Günstige Mittagsmenüs.
Tancredi Peter Neurath
Früher galt die Beislküche des Tancredi als modern, heute nennen wir sie höflich „mediterran": viele Gewürze, viel Öl, nicht viel Überlegen. Im schönen Garten, in dem man aber die Hunde hört und riecht, servieren nette Kellner den ersten Gang: Das Carpaccio von der Ente wäre gut, hätte es zusätzlich zu den Nüssen und Himbeeren nicht auch eine idente, viel zu intensive Fruchtsauce abbekommen. Die weichen gegrillten Calamari danach wurden leider durch eine scharfe Avodaco-Mousse mit zu viel Zwiebeln beeinträchtigt. Das Rindssteak schmeckte tadellos, mürbe und saftig. Das Beeren-Tiramisu danach war mehr ein Beeren-Scheiterhaufen, die Himbeer-Sauce kannten wir schon. Brave, kleine Weinkarte.
Kommentare werden geladen...