Wie im eigenen Wohnzimmer, mit einer unvergleichlich schönen Aussicht, kann man hier einer umfangreichen Speisenfolge frönen. Der junge Küchenchef Luis Haller ist in jeder Hinsicht unverbraucht. Von Moden in der Küche lässt er sich nicht beirren, viel eher achtet er rigoros auf den Einkauf der besten Produkte aus dem vorwiegend heimischen Warenkorb. Festgestellt haben wir dies sogleich bei den Tascherln mit Kitz, Erdäpfeln und Spargel, kredenzt in einer herzhaften Suppe, oder bei den Brennnessel-Gnocchi mit Bachsaibling im Heudampf und Ofentomaten. Alles wirkte schnörkellos von innerer Leidenschaft begleitet. Immer mehr übertrug der begnadete Chef seinen durch Bescheidenheit geprägten Charakter auf seine Kreationen. Bei den Fischgerichten überzeugten uns Austern von einer seltenen Güte und ein von Aromen nur so strotzender Langostino mit Zitrusfrüchten. Bei den Fleischkompositionen zeigte sich Luis Haller etwas verhalten. Das Ribeye vom Kalb mit Keimlingen mit Peperonikompott, Röstzwiebeln und Rosmarinjus war kochtechnisch perfekt, doch etwas mehr Mut zur Würze wäre auch nicht verkehrt. Dasselbe galt für den Grauen Ochsen im Birkenaroma. Sehr interessante Weinkarte, zuvorkommender Service!
Castel Fragsburg Alexander Ortner
Hoch über dem Meraner Talkessel thront in atemberaubender Panoramalage das ehemalige Jagdschlössl aus dem frühen 17. Jahrhundert, das 1955 zum Luxusdomizil für Anspruchsvolle umgestaltet wurde. Als „Locus amoenus“, keine zehn Autominuten von der Meraner Innenstadt entfernt, gehört die Fragsburg schon lange zu den touristischen Attraktionen der Kurstadt. Mit dem jungen, sehr talentierten Luis Haller als Chefkoch hat die Besitzerfamilie Ortner einen Glücksgriff gemacht. Haller verlässt und orientiert sich bei seiner Produktwahl vorwiegend auf Biobauern aus der engeren Umgebung, die üppig verwendeten Kräuter kann er aus dem Fragsburg-Garten holen. Die Frühlingsmenüs boten ein faszinierendes Kreativspiel zwischen Berg, Wald und Meer, kunstvoll eingeleitet mit Milchflocke und Speck, Lachs im Mantel, Hummersüppchen und panierter Jakobsmuschel. Schön flüssig, italienisch korrekt „auf der Welle“ kam das leichte Carnaroli-Risotto an, mit dezent gewürzten Artischocken und saftigen Kaninchenstücken. Wer kräftige, äußerst kalorienreiche Saucen nicht verachtet, bitte sehr: Filet und Backerl vom Ochsen mit Räuchercreme ist da genau das Richtige.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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