Detailansicht 2012

2011
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Es gehört zu den schwierigen und oft unterschätzten Aufgaben der Gastronomen und Köche: konstant kühlen Kopf bewahren, Qualität zu halten und Ausrutscher systematisch auszuschließen. Dem Ehepaar Huth gelingt dies in ihrer Gaststätte zu 99 Prozent, wie wir in diesem Jahr wieder feststellen durften. Das bemerkt der Genießer, wenn er sich für einen der schnörkellosen Klassiker entscheidet, die geröstete Kalbsleber mit Majoransaft und Kräuterreis besteht jeden Test, perfekt der würzige Saft. Das Wiener Schnitzel könnte man in vielen Wirtshäusern der Stadt als Vorlage vorbeibringen. Untertags sorgt die kommunikative Frau Lotte für Unterhaltung und die Weitergabe des einen oder anderen Geheimtipps. Die Steinpilze zum Steak waren bei unserem Besuch zum Niederknien: bissfest und aromatisch. Ebenfalls auf der Plusseite: der Mohr im Hemd, der jeden Schokokuchen mit flüssigem Kern an die Wand spielt. Einziger ernster Kritikpunkt: Bei den Vorspeisen ging die empfohlene Paprikamousse völlig daneben. Oder besser: Einen solchen Riegel einer geschmacksneutralen, topfenartigen Masse bewältigt nicht einmal der ausgehungertste Gast.

2010
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


Der Qualitäts-Zeiger schlug bei unserem heurigen Besuch wieder stark in den schwarzen Bereich aus. Der Huth zählt seit Langem zur nicht allzu großen Schar der mustergültig geführten Wiener Wirtshäuser. Die Karte bietet Klassiker und dazu noch die Sektion „Moderne mit ungewöhnlicheren Speisen. Da stießen wir etwa auf eine Forellen-Kaninchen-Terrine mit Kräuterrahm und Vogerlsalat, ein eigenwilliges und dennoch stimmiges Gericht. Die Rindsuppe wie auch das Beuschel waren vorbildlich zubereitet, als Hauptgang wählten wir einen am Tisch tranchierten, rosa gebratenen und schön zarten Spanferkelrücken für zwei, dazu wurden Laugenbrezel-Soufflé und ein herrlich peppiges Linsenpörkelt gereicht. Einzig beim Dessert ließ die Küche aus, das Nusskoch war sitzen geblieben und trocken. Weiterhin außergewöhnlich ist das sorgfältig zusammengestellte Weinangebot.

2009
12

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2009.


Nach wie vor unverändert: Das Huth ist die beständige Adresse in einer Gegend Wiens, die sonst eher von Systemgastronomie, Rotlicht-Bars und anderen gastronomischen Seltsamkeiten bespielt wird. Außerdem stand das Huth schon zur Wiener Küche, als das noch nicht so schick war wie heute, und es hat am Sonntag offen - lang lebe das Huth! Kulinarisch mussten wir im vergangenen Jahr allerdings einen kleinen Ambitions-Einbruch feststellen. Es begann damit, dass ein Verhackert's zwar was Feines ist, an einem heißen Spätfrühlingstag als Gedeck aber vielleicht nicht die beste Wahl. Die Tafelspitz-Sulz bestand aus Rindfleischgranulat und schwamm in Marinade, die Grammelknödel zeigten sich teigig, der Rahm-Gurkensalat dazu ohne Witz. Erfreulich, dass in der Karte eine eigene Innereien-Kategorie geführt wird, leider enthielt sie aber über Monate hinweg nur gebackene und gebratene Kalbsleber. Die Kreation "Huth-Cordon bleu" mit Ziegenkäse überzeugte nur mäßig, etwas überkreativ auch der Erdäpfel-Vogerlsalat: mit Paprikastreifen!

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Huth Gabriele und Robert Huth

Die Familie Huth hat eine ungewöhnliche, aber einleuchtende Strategie für ihr kleines Gastronomie-Imperium gewählt. Alle Lokale – seit dieser Saison sind es bereits vier – liegen in unmittelbarer Nähe zueinander, man kann sich gegenseitig aushelfen, die Wege sind kurz. Das Herz des Unternehmens ist die Gastwirtschaft mit der erfolgreichen Mixtur aus Wiener Küche mit Pfiff, guter Weinkarte und einem Schuss Herzlichkeit. Letztere schien diesmal abhanden gekommen zu sein, das junge Wochenend-Team ließ Engagement und die übliche Aufmerksamkeit vermissen, der Service wurde ziemlich emotionslos heruntergespult. Gar nichts gab es am Essen zu mäkeln, Beef Tatar mit Mayonnaisesenf und die Tafelspitzsulz mit Blattsalaten und roten Zwiebeln kamen in sehr solider Qualität auf den Tisch. Beim Huth kann man sich sogar über ein Cordon bleu wagen, statt fragwürdiger Zutaten werden hier Schinkenspeck und Bergkäse eingesetzt, was diesem oftmals nur mehr fettigen Gericht eine gewisse Noblesse verlieh. Powidltascherln mit Nussbröseln und Zwetschkenröster rundeten das Bild einer in der Klassik bestens verankerten Küche ab.

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