Es gehört zu den schwierigen und oft unterschätzten Aufgaben der Gastronomen und Köche: konstant kühlen Kopf bewahren, Qualität zu halten und Ausrutscher systematisch auszuschließen. Dem Ehepaar Huth gelingt dies in ihrer Gaststätte zu 99 Prozent, wie wir in diesem Jahr wieder feststellen durften. Das bemerkt der Genießer, wenn er sich für einen der schnörkellosen Klassiker entscheidet, die geröstete Kalbsleber mit Majoransaft und Kräuterreis besteht jeden Test, perfekt der würzige Saft. Das Wiener Schnitzel könnte man in vielen Wirtshäusern der Stadt als Vorlage vorbeibringen. Untertags sorgt die kommunikative Frau Lotte für Unterhaltung und die Weitergabe des einen oder anderen Geheimtipps. Die Steinpilze zum Steak waren bei unserem Besuch zum Niederknien: bissfest und aromatisch. Ebenfalls auf der Plusseite: der Mohr im Hemd, der jeden Schokokuchen mit flüssigem Kern an die Wand spielt. Einziger ernster Kritikpunkt: Bei den Vorspeisen ging die empfohlene Paprikamousse völlig daneben. Oder besser: Einen solchen Riegel einer geschmacksneutralen, topfenartigen Masse bewältigt nicht einmal der ausgehungertste Gast.
Huth Gabriele und Robert Huth
Die Familie Huth hat eine ungewöhnliche, aber einleuchtende Strategie für ihr kleines Gastronomie-Imperium gewählt. Alle Lokale – seit dieser Saison sind es bereits vier – liegen in unmittelbarer Nähe zueinander, man kann sich gegenseitig aushelfen, die Wege sind kurz. Das Herz des Unternehmens ist die Gastwirtschaft mit der erfolgreichen Mixtur aus Wiener Küche mit Pfiff, guter Weinkarte und einem Schuss Herzlichkeit. Letztere schien diesmal abhanden gekommen zu sein, das junge Wochenend-Team ließ Engagement und die übliche Aufmerksamkeit vermissen, der Service wurde ziemlich emotionslos heruntergespult. Gar nichts gab es am Essen zu mäkeln, Beef Tatar mit Mayonnaisesenf und die Tafelspitzsulz mit Blattsalaten und roten Zwiebeln kamen in sehr solider Qualität auf den Tisch. Beim Huth kann man sich sogar über ein Cordon bleu wagen, statt fragwürdiger Zutaten werden hier Schinkenspeck und Bergkäse eingesetzt, was diesem oftmals nur mehr fettigen Gericht eine gewisse Noblesse verlieh. Powidltascherln mit Nussbröseln und Zwetschkenröster rundeten das Bild einer in der Klassik bestens verankerten Küche ab.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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