Detailansicht 2012

2011
12

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Ein heimeliges Lokal, freundlicher Service und eine Weinkarte, bei der große Freude aufkommt. Was soll da noch schiefgehen? Wir entschieden uns für einen sehr fair kalkulierten, gut gereiften Barbaresco (1997, von Marchesi di Grésy um € 85,–), ganz wunderbar. Einem genussvollen Abend stand eigentlich nichts mehr im Weg. Leider kam es ganz anders. Schon bei der Bestellung wurden wir enttäuscht. Das Kaninchenfilet mit Kalbsleber und Chorizolinsen – das mit Abstand spannendste Gericht auf der Karte – war leider aus. Das alternativ bestellte Ossobuco war dann eine wirkliche Katastrophe: Das Fleisch hart und zäh, die Tomatensauce (als Fond angepriesen) pampig, die Zitronen-Ricotta-Gnocchi viel zu zitronen-sauer. Das Gericht wurde zwar anstandslos gegen einen passablen Zwiebelrostbraten ausgetauscht, dennoch war das Grundvertrauen in die Küche nachhaltig erschüttert. Das vor allem auch deshalb, weil bereits die Vorspeisen misslungen waren. Karottenschaumsuppe mit Orangenessenz, Ente & Curry klang verlockend, tatsächlich kam jedoch eine simple, geschmacksarme Karottencremesuppe daher. Der gebeizte Saibling vom Gut Dornau war zwar von hervorragender Qualität, der dazu servierte geraspelte Knollensellerie und die vier banalen Mandarinen-Spalten irritierten jedoch mehr, als dass sie harmonierten. Unsere zweite Hauptspeise, das Rib-Eye-Steak, war zwar schön auf den Punkt gebraten, die Beilagen – Rotweinschalotten und Schwarzwurzelgratin – jedoch mehr als lieblos. Wenn so viel danebengeht, dann kann auch das Dessert (eine köstliche Schokoladebrûlée mit eingekochter Feige) nichts mehr retten. Dass uns dann bei der Rechnung noch ein Gedeck und ein Glas Wein zu viel verrechnet wurden, passte zum schwachen Gesamteindruck.

2010
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


Mitten in Wiens Altstadt, in einer schattigen, kleinen Gasse findet man dieses traditionelle Alt-Wiener Wirtshaus. Wir probierten zu Beginn die Bärlauch-Frischkäse-Roulade auf Wildkräutern mit frischem Geschmack und durch die Melanzanicreme mit besonderer Note. Die zweite Vorspeise, Beef Tatar im Lardomantel, überzeugte ebenfalls. Als Hauptgang wählten wir einmal das Kalbsrahmbeuschel mit Serviettenknödel – das Gericht war nicht wirklich raffiniert, dafür aber solide traditionell zubereitet. Der andere Hauptgang, Filet vom Zander auf Paprikagemüse, erwies sich als zwiespältig. Das Paprikagemüse war gut und würzig geschmort, der Fisch ließ – obwohl ein stattliches Filet – an Saftigkeit vermissen, im Kern viel zu trocken. Dies sollte auf so einem Niveau eigentlich nicht passieren. Die Nachspeisen, einmal Böhmische Dalken mit Powidl und Zimteis und die Marillenpalatschinken waren sehr gelungen und bildeten eine schönen Abschluss.

2009
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2009.


Das Gasthaus zum Ofenloch existiert schon seit ewigen Zeiten und im Rahmen der vergangenen zwanzig Jahre durchlebte es diverse Phasen, die sich durch unterschiedliche Gewichtung der zwei Faktoren "Touristen-Kitsch" und "gutbürgerliche Küche" auszeichneten. Zuletzt kochte hier einigermaßen unbemerkt Meinrad Neunkirchner, bis das pittoreske Stadt-Gasthaus Anfang Sommer 2008 von Florian Fritz übernommen wurde, der mit seinem Mödlinger "Florians" regelmäßig angenehm auffällt. Er entkitschte mit Vorsicht und ließ vor allem seinen langjährigen Küchenchef Wolfgang Bulant eine dynamische neo-wienerische Gasthauskarte konzipieren, die sich überaus spannend liest und mit erstklassigen Produkten aus der näheren Umgebung operiert. Der Blunzen- und der Basilikum-Aufstrich frisch, köstlich, gut abgeschmeckt, das (eh schon eingebürgerte) Rindscarpaccio äußerst präzise gewürzt, wunderbar deftig und komplex zugleich der dünn geschnittene, marinierte Schopfbraten. Zum Klassiker dürfte sich rasch die Variation vom Jungschwein entwickeln, zumindest wenn das Stück von der gebratenen Stelze so knusprig, köstlich, das geschmorte Backerl so mürb und der Grammelknödel so flaumig bleibt. Die Weinkarte macht Zugeständnisse sowohl an Florian Fritz' Heimat (Thermenregion), als auch an seine neue Wirkungsstätte Wien, als auch an seine Gäste - sehr faire Kalkulation!

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Ofenloch Florian Fritz

Dieses gemütliche Lokal im ersten Bezirk hat sich der Pflege traditioneller Speisen verschrieben, und das ist nicht nur grundsätzlich gut so, sondern auch das Niveau, auf dem das getan wird, ist entsprechend. So konnte uns eine Riesenportion der Haussulz nicht schrecken, da wohlschmeckend und somit leicht zu bewältigen. Die Schaumsuppe von frischen Kräutern war sehr gut, und das gebratene Saugoderl mit Schwarzbiersauce bildete sicherlich das Highlight des Tages. Mit dem geschmorten Schulterscherzel und rosa gebratenem Kalbsfilet auf Beluga-Linsen wagte man sich ein wenig – wenn auch nicht weit – aus dem angestammten Territorium hinaus und bestand auch hier, wenn auch nicht mit Bravour. Abschließend wurden wir von dem Mohnsoufflé-Kuchen mit Tonkabohnen-Mousse & weißem Pfeffer hin- und hergerissen, zwischen Begeisterung und Verwirrung nämlich. Unser Fazit: Ein behutsames Aufbrechen der doch etwas einseitigen Tradition tut gut, allerdings nicht im Blindflug und stets mit Maß und Ziel. Das Servicepersonal hat uns gut umsorgt, die Weinkompetenz ist allerdings eingeschränkt.

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