Ein heimeliges Lokal, freundlicher Service und eine Weinkarte, bei der große Freude aufkommt. Was soll da noch schiefgehen? Wir entschieden uns für einen sehr fair kalkulierten, gut gereiften Barbaresco (1997, von Marchesi di Grésy um € 85,–), ganz wunderbar. Einem genussvollen Abend stand eigentlich nichts mehr im Weg. Leider kam es ganz anders. Schon bei der Bestellung wurden wir enttäuscht. Das Kaninchenfilet mit Kalbsleber und Chorizolinsen – das mit Abstand spannendste Gericht auf der Karte – war leider aus. Das alternativ bestellte Ossobuco war dann eine wirkliche Katastrophe: Das Fleisch hart und zäh, die Tomatensauce (als Fond angepriesen) pampig, die Zitronen-Ricotta-Gnocchi viel zu zitronen-sauer. Das Gericht wurde zwar anstandslos gegen einen passablen Zwiebelrostbraten ausgetauscht, dennoch war das Grundvertrauen in die Küche nachhaltig erschüttert. Das vor allem auch deshalb, weil bereits die Vorspeisen misslungen waren. Karottenschaumsuppe mit Orangenessenz, Ente & Curry klang verlockend, tatsächlich kam jedoch eine simple, geschmacksarme Karottencremesuppe daher. Der gebeizte Saibling vom Gut Dornau war zwar von hervorragender Qualität, der dazu servierte geraspelte Knollensellerie und die vier banalen Mandarinen-Spalten irritierten jedoch mehr, als dass sie harmonierten. Unsere zweite Hauptspeise, das Rib-Eye-Steak, war zwar schön auf den Punkt gebraten, die Beilagen – Rotweinschalotten und Schwarzwurzelgratin – jedoch mehr als lieblos. Wenn so viel danebengeht, dann kann auch das Dessert (eine köstliche Schokoladebrûlée mit eingekochter Feige) nichts mehr retten. Dass uns dann bei der Rechnung noch ein Gedeck und ein Glas Wein zu viel verrechnet wurden, passte zum schwachen Gesamteindruck.
Ofenloch Florian Fritz
Dieses gemütliche Lokal im ersten Bezirk hat sich der Pflege traditioneller Speisen verschrieben, und das ist nicht nur grundsätzlich gut so, sondern auch das Niveau, auf dem das getan wird, ist entsprechend. So konnte uns eine Riesenportion der Haussulz nicht schrecken, da wohlschmeckend und somit leicht zu bewältigen. Die Schaumsuppe von frischen Kräutern war sehr gut, und das gebratene Saugoderl mit Schwarzbiersauce bildete sicherlich das Highlight des Tages. Mit dem geschmorten Schulterscherzel und rosa gebratenem Kalbsfilet auf Beluga-Linsen wagte man sich ein wenig – wenn auch nicht weit – aus dem angestammten Territorium hinaus und bestand auch hier, wenn auch nicht mit Bravour. Abschließend wurden wir von dem Mohnsoufflé-Kuchen mit Tonkabohnen-Mousse & weißem Pfeffer hin- und hergerissen, zwischen Begeisterung und Verwirrung nämlich. Unser Fazit: Ein behutsames Aufbrechen der doch etwas einseitigen Tradition tut gut, allerdings nicht im Blindflug und stets mit Maß und Ziel. Das Servicepersonal hat uns gut umsorgt, die Weinkompetenz ist allerdings eingeschränkt.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Kommentare werden geladen...