Seit mehr als zehn Jahren schmücken die vier Hauben das Hubertus und Johanna Maier. Jedes Mal, wenn wir längere Zeit (also länger als sechs Monate) nicht in Filzmoos waren, fragen wir uns während der Anreise bange: Schafft sie es wieder? Der Druck, der auf der Frau lastet, die mit ihrem Können und auch ihrer Anwesenheit den Ruf des ganzen Hauses trägt, muss enorm sein. Auswärtsverpflichtungen hat sie ebenfalls, wie viele der Besten der Besten. Immerhin erhält Johanna Maier seit gut einem Jahr in der Küche Unterstützung von ihren Söhnen Dietmar und Johannes. Das ist gut. Das sorgt für Kontinuität, auch wenn Mama (beziehungsweise Oma) Maier einmal verhindert ist. Es erlaubt der Küche auch, ein noch breiteres Repertoire anzubieten, noch mehr Varianten, noch mehr Konzentration auf ein Handwerk, das man wohl mit dem eines Goldschmieds vergleichen kann. Nicht der große kreative Wurf ist die Stärke von Johanna Maiers Küche, sondern das gewissenhafte und akribische Explorieren in der Welt der Aromen und Geschmäcker. Wie auch eine unglaubliche Liebe zum Handwerk. Ein Detail: Rindermark offerieren sie zwischen Paris und Wien zurzeit rauf und runter. Johanna Maier serviert eine kleine Scheibe Kalbsmark, gewürzt einfach mit ihrem Kräutersalz, auf einer ebenso kleinen und knusprigen Scheibe Pumpernickel. Das wär's dann gewesen, liebe Kollegen und liebe Gäste. So wollen wir selbige ja auch nicht mehr auf die Folter spannen: Johanna Maier hält ihre Topform, auch dank vieler Waldspaziergänge und der perfekten Umsorgung von Dietmar Maier, dem Herrn des Hauses, ohne den dieses ein ganz anderes wäre. Wie er unermüdlich zwischen den Zimmern und Tischen pendelt, da ein Glas nachschenkt, dort einen Schmäh serviert, dazwischen ein Lamm tranchiert. Das ist große Service-Schule, und wir sagen das betont, weil dieser im Hubertus immer wieder als verbesserungswürdig hingestellt wird. Warten wir aber auf mit weiteren Details unseres letzten Essens in Filzmoos: ein Mokkatässchen mit Bouillon und den ersten Eierschwammerln aus dem Lungau, Aromabombe. Der Saibling auf winzig gehacktem Gemüse und dazu ein Zitat eines langjährigen Maier-Hits: ein winziges Sauerrahm-Saiblingsgelee mit seinem Kaviar. Die luftig-leichteste und so unglaublich dottrige Brioche zur Foie gras, darunter wiederum eine Variante besser als die andere, wenn wir uns auch ein kleines bisschen Säure in diesem Gang durchaus wünschen würden. Eher blass wirkte der Zander mit kleinem Gemüse, trotz des Tortellino mit Ochsenschwanz. Eine gute Neuigkeit: gegrillte Jakobsmuschel mit Salbei und anderen Waldkräutern, wunderbar, wie auch mit selbst gemachter Kapernmarmelade. Das Wurzelfleisch vom Spanferkel, die Essenz guten Essens mit Bodenhaftung. Bei den Hauptgängen, wo fast durchwegs die edlen Stücke von Lamm, Rind oder Kalb im Mittelpunkt stehen, schaffen es Maier und Söhne dennoch, nie ein Déjà-vu zu erzeugen. Hier ein Detail, dort ein Zitat. Das Reh gefällt uns nicht zum ersten Mal in seiner Kombination mit einer von Johannas reichen Saucen und Schnittlauch. Dazu Preiselbeerkrapfen, Weihnachten am Teller! Fast roh das Gemüse zum Kalb, ein Gruß an den Frühsommer. Großzügig wie in allen Details (Brot) erweist sich das Haus auch bei den Desserts. Wir zählen drei und keines ist weniger gut als das andere. Die echte und falsche Marille – was für ein Marillen-Eis, wie kann das gelingen? Oder das Finale aus Schokolade. Erlauben wir uns zum Abschluss eine Bemerkung über den Preis. € 125,– legen die Maiers für eines der besten Essen der Saison in Rechnung. Kein Wunder, dass das Hubertus Mittag für Mittag und Abend für Abend ausgebucht ist.
Von einem Vier-Hauben-Haus erwartet man sich natürlich auch entsprechenden Komfort in den Zimmern. Und dieser wird hier geboten: Wohlfühlen und Entspannen stehen an erster Stelle. Man wird mit Champagner begrüßt, die (wenigen) Zimmer sind gemütlich und in hellen Farben eingerichtet. Bei unserem letzten Besuch schliefen wir wie auf einer Wolke, das mag an dem vorangegangenen Essen und den herrlichen Weinen gelegen haben, aber sicher auch an der hohen Qualität der Matratzen. Großzügige Bäder (Wasser aus der Hubertusquelle!). Fliegenfischen in den hoteleigenen, 40 Kilometer langen Fischgewässern.
Höchstnote für die weltbesten Restaurants
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
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