Wer hier am Wochenende und speziell zu Mittag einkehrt, findet ein volles Haus vor. An den Abenden, die immer wieder ein Thema (französische, italienische Küche, Lavanttaler Wein etc.) aufgreifen, ist es weit gemütlicher. Auch wird man aufmerksamer betreut. Davon unbelastet ist die Küchenleistung von Sigi Brudermann – seit Jahren konstant auf Hauben-Niveau – im Wesentlichen ohne Ausrutscher, wenn auch ohne auffallende neue Akzente. So feiert wie überall auch bei der Familie Martinz der Kärntner Laxn seine Renaissance, passend zu Saison und Region eben mit Lavanttaler Spargel und Sauce hollandaise. Letzterer unterstellen wir aufgrund von Konsistenz und Geschmack, dass sie auch aus dem Supermarkt-Regal hätte stammen können. Das Rindscarpaccio entsprach den Erwartungen, das Kalbsragout trumpfte mit dichter, harmonischer Sauce auf. Immer gut: die Spargelcremesuppe, die sich von angenehm molliger Seite zeigte und mit Stücken von der Räucherforelle eine dezente Geschmacksnuance mitbrachte. Ein idealer Begleiter, speziell zur Mittagszeit, ist der Lavanttaler Wein. Den Riesling vom Gartner bekommt man erfreulicherweise auch glasweise.
Alter Schacht Evelin und Walter Martinz
Wer sein Lokal „Alter Schacht“ nennt, muss von der Qualität seines Hauses überzeugt sein. Denn unabhängig von der Geschichte der Lokalität als ehemalige Kohleförderstätte dürfte der Name gelernten Marketing-Menschen die Tränen in die Augen treiben. Doch die Besitzer Evelin und Walter Martinz, vertrauen – völlig zu Recht – auf die Lockwirkung, die das Können von Küchenchef Sigi Brudermann auf die Lavanttaler Bevölkerung ausübt. Die Speisekarte folgt dem sympathischen Trend, die lokalen Lieferanten auszuweisen, der gute Gesamteindruck wurde eigentlich nur von der Dominanz der Bärlauchgerichte zu einer doch eher saisonuntypischen Zeit getrübt. Ebenfalls stark vertreten war der Lavanttaler Spargel, der neben vielen anderen Varianten auch angenehm karamellisiert mit einer flaumigen Spinatcrêpe zu haben war. Von hervorragender Qualität der geschmorte Tafelspitz, butterweich und saftig, die begleitenden Morcheln dürften aber wie der Bärlauch in der Tiefkühltruhe „gepflückt“ worden sein. Großzügig portioniert schließlich die Dessertvariation, die mit Mohn veredelte Topfentasche hätte aber etwas weniger teigig ausfallen können. Wie es um die Weinkarte bestellt war, ließ sich aufgrund des leicht überfordert wirkenden Personals nicht eruieren, die offenen Weine mit ihrem regionalen Bezug trösteten über dieses Manko aber hinweg.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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