Der Eckel hat seine Stammkundschaft, manche darf man regelrecht als „Jünger" der traditionellen Wiener Küche mit dem in diesem Bezirk angemessenen Hummeranteil bezeichnen. Sie lieben die Hummersuppe (eine der besten der Stadt mit großzügig bemessener Einlage), sie bestellen immer wieder Beef Tatar, mariniertes Rindfleisch „Eckels Art", den Angler in Topqualität mit Zitronen-Kapern-Sauce (oder noch besser: gebacken mit warmem Erdäpfelsalat), geröstete Kalbsleber oder Hirn mit Ei, einmal ein Kalbsbutterschnitzel mit Erdäpfelpüree, zur Saison Fasan, Reh oder Hirsch, alle nach der klassischen Machart zubereitet, wie man es nur noch selten findet. Und zum Abschluss Powidltascherln, Marillenknödel, Zwetschkenknödel oder eine „Marie Luise" – was das ist? Vorbeischauen und probieren. Die Weinkarte bietet ein Auf und Ab der Rankings der österreichischen Klassiker, ältere Knolls, Hirtzbergers oder FX Pichlers zu interessanten Preisen, wie auch weiße Burgunder aus Frankreich und eine schöne Auswahl an Bordeaux. Eckel-Aficionados wissen all dies zu schätzen. Wer zum ersten Mal hier einkehrt, dem wird sich der Charme dieses Hauses vielleicht nicht sofort erschließen, er wird nicht begreifen, dass er es hier mit einer leider rar gewordenen Form der Gastronomie zu tun hat, vielleicht auch die niemals vordergründige Klasse der Servicebrigade nicht verstehen. Auch sich vom gehobenen Durchschnittsalter des gepflegt herausgemachten Publikums mit dem frappant hohen Anteil an Professoren und Doktoren irritiert fühlen. So ist es eben mit Dingen, die man als Institution bezeichnet. Die nächste Generation der Familie ist dabei, das Ruder zu übernehmen. Wir gehen davon aus, dass der Eckel weiterhin bleibt, was er immer war: ein Restaurant mit Charakter.
Eckel Christine Müller-Zarl
Kontinuität ist, was die Gäste erwarten, wenn sie diese Institution aufsuchen. Trotz Kartenstudiums bestellen letztlich die meisten, was sie seit Jahren – pardon – Jahrzehnten kennen, und zwar sehr genau. Umso mehr fällt auf, wenn sich da und dort Unschärfen einschleichen, die gewohnte Präzision nachlässt oder gar Schlampereien auftreten. Heuer häuften sich einige dieser kleinen Unerfreulichkeiten derart, dass Anlass besteht, sich ein wenig Sorgen zu machen um diesen letzten Aufführungsort der klassischen gutbürgerlichen Küche. Der Salat mit Garnele hatte die gewohnte Qualität, beim Hummercocktail entstand eher der Eindruck, Hummerreste vorgesetzt zu bekommen, die Schere erwies sich zudem als völlig verkocht. Der gebackene Angler war dereinst schon besser auf den Punkt gegart. Gänzliche Entgeisterung entstand, als das beliebte Kalbsnierensteak mit Curryreis aufgetragen wurde. Das Gericht hatte die lieblose Optik eines Mensagerichts, Fleisch und Niere waren trocken gebraten. In „alter" Qualität erfreuten der Pfannkuchen „Rothschild", der liebenswürdige Service und der Weinkeller mit der tollsten Auswahl an Wachauern und Burgundern weit und breit.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Kommentare werden geladen...