Es ist dieser zum Gesamtkunstwerk verdichtete gute Geschmack, der einen immer noch gefangen nimmt, wenn man bei Walter und Eveline Eselböck einkehrt – vom über die Jahre gewachsenen Ambiente drinnen wie draußen über das weltläufige, aber dennoch angenehm entspannte Auftreten des Personals bis zu den kulinarischen Miniaturen, die aus der Küche kommen. Schön, wenn jemand so genau weiß, was er will. Und wie es zu erreichen ist: Die Eselböcks sind zwar erkennbar im Burgenland verwurzelt, schaffen es aber nachhaltig, über den Tellerrand zu schauen. Der Anspruch, sich mit den Besten der Welt zu messen, ist deutlich zu spüren: Was auf der Speisekarte noch betont puristisch daherkommt – eine schlichte Aufzählung der verwendeten Produkte – entfaltet auf dem Teller seine volle Schönheit. Was Walter Eselböck seinen sorgfältig gewählten Grundprodukten angedeihen ließ, war schon mehr Materialphilosophie als Materialtreue, wie uns beispielsweise der Einstieg ins Taubenkobelmenü den Eindruck vermittelte, der Seele des Spargels in der noblen Begleitung von Saibling und perlfarbenem Schneckenkaviar begegnet zu sein. Forelle – Wiesenklee – Wassermelone: sehr erfrischend und auch optisch ein Genuss. Paprika-Holunder-Kaltschale – eine Aromenexplosion, zuerst in der Nase, dann am Gaumen. Polenta – Trüffel – Gansleber kommen im Cocktailglas, die Leber ist gefroren sowie mariniert und wird am Tisch darübergehobelt: Geschmacksharmonie ohne Ende. Schweinsbauch – Zander – Schilfrohr – Fingerlimes: eine Kombination zum Verlieben, angerichtet mit großem handwerklichen Geschick. Die Wachtel im Heu: unendlich zart, mit ein wenig Heuaroma im Abgang. Wieder neue Farben sprühte das anscheinend unerschöpfliche Eselböck’sche Geschmackskaleidoskop beim Lammwürfel auf rotem Paprika-Kirschen-Chutney mit in Weinblätter gehüllter Taleggiopolenta sowie gebackenen Birkenblüten, wobei sich uns die Bedeutung der dazu servierten Ziegenmilch mit Erdapfeleinlage nicht ganz erschloss. Und zum Dessert flaumiges Yuzusoufflé (wer es nicht kennt: Yuzu ist eine fernöstliche Zitrusfrucht) mit Krokanteis: Applaus! Wer sich für die von Eveline Eselböck zusammengestellte Weinbegleitung entscheidet, ist gut beraten. Aber natürlich hält auch der restliche Keller selbst verwöhnten Ansprüchen locker stand. Was uns am meisten beeindruckt hat? Wie unangestrengt das alles trotz höchster Schwierigkeitsgrade wirkt – so, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Wie sagte einmal ein kluger Mensch? Die ganz große Kunst ist, es leicht aussehen zu lassen.
Auch in den Zimmern des Taubenkobel lässt sich die Geschmackssicherheit der Eselböcks nicht verleugnen: Die liebevoll zusammengetragene Einrichtung würde auch den Ansprüchen der „Casa Vogue“ genügen. Inzwischen ist das Vergnügen einer Übernachtung unter der Woche im Pauschalarrangement mit einem Abendessen zu haben – eine schlaue Idee. Und die – gemessen an der gebotenen Qualität – überraschend günstig kalkuliert ist: 199 Euro pro Person inklusive Frühstück. Und wenn man sich den Tag danach frei nimmt, dann geht sich auch noch eine Runde im idyllischen Schwimmteich hinterm Haus aus.
Höchstnote für die weltbesten Restaurants
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