Detailansicht 2012

2011
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Stefan Gruber und Patron Karl Mandl verfolgen eine ehrliche, der Wachau und dem Waldviertel verpflichtete Küchenlinie. Sie verzichten auf Seafood und setzen fangfrischen Fisch aus heimischen Gewässern auf die Karte. Sehr geglückt das Tatar von den geräucherten Edelfischen als Vorspeise: zwei löffelgroße Portionen, erfrischend kühl am Gaumen, harzig im Geschmack. Dazu gut abgeschmeckter Blattsalat. Die eher unambitioniert klingenden Hauptspeisen – Kalbswiener Schnitzel, geröstete Kalbsleber, gedünsteter Rindsbraten, Kalbsgulasch und Paprikahuhn – heißen schlicht „Klassiker” und sind es auch. Allen voran das gekochte Rindfleisch, das schon wegen der idealtypischen zweierlei Saucen – Schnittlauch und Apfelkren – und dem herrlich knusprigen und mit Thymian verfeinerten Erdäpfelsterz eine glückliche Wahl darstellt. Ein Volltreffer auch die Grammelknödel: der Erdäpfelteig farblich und geschmacklich ganz nah am Grundprodukt und von der Konsistenz her speckig, wie es sich für Waldviertler Knödel gehört, die Grammeln gut portioniert, manche, trotz der warmen Hülle des Knödels, noch knusprig. Alle prominenten Weingüter der Wachau und des Kremstales sind auf der Weinkarte vertreten. Bei den Roten reicht die Palette von den österreichischen Topweingütern bis zu großen Barolos oder Bordeaux. Auf Wunsch wird zu jedem Menü eine entsprechende Weinbegleitung zusammengestellt.

2010
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


Den Florianihof kann man getrost eine Institution nennen. Ist er doch eines der wenigen echten Restaurants der Wachau, wo vor allem die unzähligen Heurigen dominieren. Wenngleich sich Familie Mandl beim Speisenangebot doch mehr der gutbürgerlichen Wirtshausküche verpflichtet scheint. Zwar werden Tatar von geräucherten Edelfischen mit Dillgurken sowie das Beef Tatar optisch aufwändig angerichtet aufgetragen (beides mit entbehrlicher Balsamicosauce), dies geschmacklich aber auf solidem Gasthausniveau. Köstlich war die kraftvolle Tafelspitzsuppe mit ihren klassischen Einlagen. Bei der gebratenen Bauernblunz’n war das Rieslingkraut das Beste. Und das war wirklich gut. Als unaufregend empfanden wir das gekochte Rindfleisch sowie den gebratenen Spanferkelrücken, wobei die Fleischqualität jeweils von außerordentlicher Güte zu sein schien. Doch die Beilagen und Saucen waren jeweils unmutig gewürzt und fad, mit Ausnahme des fruchtig-süßsauer-scharfen Apfelkrens, den wir als ein Highlight unseres Mittagessens empfanden und am liebsten mehr davon bestellt hätten. Stattdessen nahmen wir das so originelle wie ansprechende Tobleroneparfait mit Himbeermark. Inhaltlich tief und breit die Weinkarte, die durch renommierte Winzernamen glänzt. Enthielte sie noch Weine innovativer oder neuer Betriebe, wäre sie wohl die beste Karte der Region.

2009
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2009.


Wenn sich zur legendären Schönheit der Wachau und geschmackvoll eingerichteten, geschichtsträchtigen Baulichkeiten noch ein anspruchsvolles Küchenkonzept gesellt, bleiben nicht mehr viele Wünsche offen. Besonders, wenn auch der Service freundlich, die Tischkultur gepflegt und die Weinauswahl angemessen ist. Einmal mehr entsprach das feudale Herrenhaus an der Donau unter der bewährten Leitung der Familie Mandl dieser idealen Konstellation: Saisonorientierte Qualitätsprodukte, hauptsächlich von Biobauern aus der Umgebung, wurden mit Fingerspitzengefühl für Materialstruktur und Eigengeschmack zu Klassikern veredelt, wie Saiblingstatar mit dezent rauchigem Aroma, samtiger Kalbshaxencreme mit lockerem Bröselknöderl, à point getroffenen Lammrücken-Medaillons (die man allerdings etwas gründlicher von Häuten und Fetträndern hätte befreien können) mit bissfestem Spargel und üppig-cremigen, gratinierten Erdäpfeln oder behutsam gegarten Lachsforellenfilets mit frühlingshaftem Bärlauchpüree. Ein fruchtiges Mini-Erdbeersoufflé rundete das Menü harmonisch ab. Zum wunschlosen Glück fehlte nur mehr ein etwas großzügiger bestückter Käseteller.

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Florianihof Karl Mandl

Karl Mandl und sein Florianihof. Da kann es Hochwässer geben und so manchen Wechsel in der Küche. Dieses Wachauer Urgestein bleibt bestehen. Wobei der Wirt fast die Jugend selbst ist. Hält das Wachauer Klima so frisch? Die alten Gewölbe, der feine Garten mit Blick auf Donau und Wälder, alles ist so schön vertraut. Auch die Weinkarte ist mit Kenntnis und Großzügigkeit bestückt wie eh und je. Am Teller findet man behutsam modernisierte Regionalküche. Der Küchenchef versteht sein Handwerk durchaus, sollte aber vermehrt ein Auge auf die Garzeiten werfen. So manches lag ein bisschen zu lange in der Pfanne beziehungsweise im Rohr bei unserer letzten Visite. Mit einem Beef Tatar und Carpaccio, mit Grammelknödeln auf Sauerkraut, gekochtem Rindfleisch mit den klassischen Beilagen, gebratenem Zander mit einem witzigen Polentastrudel und Rieslingsauce und den wirklich guten Desserts (Topfenknödel!) wird man hier mit einer oder mehreren guten Flaschen Wein sehr zufrieden sein.

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