Stefan Gruber und Patron Karl Mandl verfolgen eine ehrliche, der Wachau und dem Waldviertel verpflichtete Küchenlinie. Sie verzichten auf Seafood und setzen fangfrischen Fisch aus heimischen Gewässern auf die Karte. Sehr geglückt das Tatar von den geräucherten Edelfischen als Vorspeise: zwei löffelgroße Portionen, erfrischend kühl am Gaumen, harzig im Geschmack. Dazu gut abgeschmeckter Blattsalat. Die eher unambitioniert klingenden Hauptspeisen – Kalbswiener Schnitzel, geröstete Kalbsleber, gedünsteter Rindsbraten, Kalbsgulasch und Paprikahuhn – heißen schlicht „Klassiker” und sind es auch. Allen voran das gekochte Rindfleisch, das schon wegen der idealtypischen zweierlei Saucen – Schnittlauch und Apfelkren – und dem herrlich knusprigen und mit Thymian verfeinerten Erdäpfelsterz eine glückliche Wahl darstellt. Ein Volltreffer auch die Grammelknödel: der Erdäpfelteig farblich und geschmacklich ganz nah am Grundprodukt und von der Konsistenz her speckig, wie es sich für Waldviertler Knödel gehört, die Grammeln gut portioniert, manche, trotz der warmen Hülle des Knödels, noch knusprig. Alle prominenten Weingüter der Wachau und des Kremstales sind auf der Weinkarte vertreten. Bei den Roten reicht die Palette von den österreichischen Topweingütern bis zu großen Barolos oder Bordeaux. Auf Wunsch wird zu jedem Menü eine entsprechende Weinbegleitung zusammengestellt.
Florianihof Karl Mandl
Karl Mandl und sein Florianihof. Da kann es Hochwässer geben und so manchen Wechsel in der Küche. Dieses Wachauer Urgestein bleibt bestehen. Wobei der Wirt fast die Jugend selbst ist. Hält das Wachauer Klima so frisch? Die alten Gewölbe, der feine Garten mit Blick auf Donau und Wälder, alles ist so schön vertraut. Auch die Weinkarte ist mit Kenntnis und Großzügigkeit bestückt wie eh und je. Am Teller findet man behutsam modernisierte Regionalküche. Der Küchenchef versteht sein Handwerk durchaus, sollte aber vermehrt ein Auge auf die Garzeiten werfen. So manches lag ein bisschen zu lange in der Pfanne beziehungsweise im Rohr bei unserer letzten Visite. Mit einem Beef Tatar und Carpaccio, mit Grammelknödeln auf Sauerkraut, gekochtem Rindfleisch mit den klassischen Beilagen, gebratenem Zander mit einem witzigen Polentastrudel und Rieslingsauce und den wirklich guten Desserts (Topfenknödel!) wird man hier mit einer oder mehreren guten Flaschen Wein sehr zufrieden sein.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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