Der Grünauer – für viele das beste Wiener Beisl schlechthin. Und in der Tat: Die Familie Grünauer versteht es wie kaum jemand sonst, unprätentiöse, auf das Wesentliche beschränkte Gasthauskultur mit hohem Sympathiefaktor zu vermitteln. Nach Betreten des Lokals ist der Gast sofort Teil der großen Grünauer-Familie, sei es der Ex-Bundeskanzler oder der Nachbar von Stiege II. Wie schon bei unserem letzten Besuch kolportiert, hoffen wir nach wie vor, dass das Gerücht vom baldigen Ende der Ära Grünauer noch lange ein Gerücht bleibt. Bei unserem Besuch waren die Damen in der Küche jedenfalls in Hochstimmung. Dreierlei vom Heringssalat zur Vorspeise, ganz entspannt begleitet von einem knackig-frischen steirischen Muskateller – wunderbar. Weiter ging es mit saftigen Eiernockerln und Vogerlsalat – so einfach und trotzdem so unverschämt gut. Sowohl die gebackene Fledermaus, ein besonders saftiges Teil vom Schwein, als auch die Blunzen mit Chili waren ein Gedicht. Auch wenn sich nach der Hauptspeise schon wohlige Zufriedenheit einstellte, ein Dessert wie die Mohnpalatschinken muss hier schon noch sein. Die Herren Grünauer bedienen wie eh und je mit Witz und herbem Charme und haben immer die richtige Weinempfehlung parat – verfügen sie doch über eine Weinkarte, die weit über das Beislniveau hinausgeht.
Grünauer Brigitta Grünauer
Träumen wir oder wachen wir? Die Grünauers sind immer noch da, wo sie Wiens Esser sich hinwünschen: in ihrem Wirtshaus. Dabei waren doch die Rückzugsgespräche so deutlich vernehmbar, dass es Zeiten gab, wo unsereiner fast wöchentlich hingegangen ist. Vorsatz: sich satt zu essen mit all den Grünauer’schen Köstlichkeiten für die Zeit danach. Doch das funktioniert ja leider nicht. Bei unserem letzten Besuch gab es das Lieblingswirtshaus von so vielen Gott sei Dank noch. Und es war wie immer zum Bersten voll. Einen kleinen Tisch haben sie für spontane Stammgäste erfunden, mit Blick in die Küche. Manche nehmen ihre Mahlzeit auch an der Schank ein. Man ist nicht so. Also herbei mit der köstlichen Frittatensuppe oder einer der rustikalen Vorspeisen, hauptsächlich auf Gemüsebasis und gar nicht so fleischlastig wie die Kollegen Hobbyesser im „Der Standard“ geschrieben haben. Dann, wir haben nichts gegen Fleisch, ein herrliches Szegediner Gulasch mit Knödel, nachgeschoben Kalbsnieren mit Rotweinzwiebeln, ein Teller von purer und tiefgehender Aussage, ein Stück Paris oder Lyon in Wien. Man könnte und sollte danach noch Palatschinken oder gebackene Hollerblüten (bei Saison) nehmen, aber der Magen ächzt schon. Noch eine Flasche aus dem gut sortierten Keller also und dann wird man sehen ...
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Kommentare werden geladen...