Eva Salomons Wohlfühlrestaurant lebt natürlich auch ein wenig vom Drumherum, von der hübschen Kapelle nebenan, vom atmosphärisch unschlagbaren Innenhof, von der ganz grundsätzlichen Landidylle, die hier herrscht. In der Küche allerdings, und um die geht es hier ja auch am Rande, haben sich zuletzt einige kleinere Mängel eingeschlichen. Dabei begann unser Kirchberger Sonntagnachmittag ganz hervorragend (nämlich mit einem erstklassigen Entenleberparfait mit dreierlei Mousse und himmlischer Wacholderbrioche) und ging noch besser weiter: Das lauwarme Eigelb mit Flusskrebs, Erdäpfelpüree und Eierschwammerln hat das Zeug zum Signature dish. Die Hauptspeisen fielen leider weniger überzeugend aus: Das „Roastbeef“ vom Lamm kam durchgebraten und auch ziemlich blutarm gewürzt daher, die ebenfalls übergarte (aber immer noch zarte) Entenbrust war mit den schwer gesüßten Schwarze-Nuss-Buchteln schlicht überfordert. Auch den Biskuitboden zum Schokomousse-Trio hätte es nicht gebraucht, das Rhabarbersorbet mit kandiertem Minzblatt fügte sich wieder wesentlich besser ins Oberstockstall-Idyll. Und, klar: Fritz Salomons Bioweine natürlich auch.
Gut Oberstockstall Eva Salomon
Eine mächtige Linde überschattet den weiten Hof, hinter wuchtigen Oleandertöpfen knirscht der Kies, auf der Wiese vor der gotischen Kapelle schnattern die Gänse. Schöner kann man Sommernachmittage kaum verbringen. Viele werden auch zu schätzen wissen, dass hier sehr konsequent mit Bioprodukten gekocht wird, überwiegend aus eigener Herstellung. Natürlich muss sich die Küche den Vorwurf gefallen lassen, dass sie sich kaum weiterentwickelt hat seit jenen Tagen, als „Naturküche“ und „Kräuter-vor-der-Haustür-Regionalität“ noch Avantgarde-Status beanspruchen konnten. Nicht dass gegen Bärlauch im Frühling oder Kürbis im Herbst etwas einzuwenden wäre – aber es könnte sich lohnen, öfter mutige Gerichte wie die pfiffigen Kalbskutteln mit Kalbskopf auf den Tisch zu stellen: intensiv, fein mollig, raffiniert in den Aromen. Dagegen wirkte das gebratene Saiblingsfilet mit Tagliolini, Orangensauce und grünem Spargel etwas blass. Auch für das gekochte Rindfleisch, die Beiriedschnitte mit Erdäpfel-Jungzwiebeln, das gebackene Kitz galt: bewährte Gerichte, technisch gekonnt, aber von der Kreation her brav zubereitet. Die Weinkarte bietet zum einen die mineralischen Weißen und fruchtigen Roten von Fritz Salomon, viele auch in älteren Jahrgängen, zum anderen namhafte Gewächse österreichischer und internationaler Provenienz.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Kommentare werden geladen...