Im megalomanischen Unterbau der ehemaligen Börse mit seinen himmelstürmenden Gewölbebögen beeindruckte das geschmackvoll gestaltete Lokal auch heuer mit seiner geradlinigen, präzisen und anregenden Küche, die sich nicht nur als attraktiver Hintergrund für geschäftliche Treffen eignet, sondern durchaus das Hauptthema eines genussfreudigen Abends darzustellen vermag. Da erwies sich das mit Schneckenkaviar modisch dekorierte Beef Tatar als geschmacklich optimal ausbalanciert, da vermählten sich bei der Apfel-Sellerie-Suppe die Grundkomponenten zum harmonischen Zweiklang, da setzten die Fischbouillon asiatische und die (leider fast schon trockenen) Goldbrassenfilets mediterrane Akzente. Nichts auszusetzen gab es bei der à point getroffenen Rehnuss oder der Perlhuhnbrust, bei der saftiges Fleisch und Fülle übergangslos ineinander zu verschmelzen schienen. Bei den Desserts fiel das an leichter Fadesse laborierende Beerentörtchen etwas aus dem Rahmen. Die Weinauswahl reichte trotz minimalistischem Umfang mit Chardonnay von Wieninger und Zweigelt von Glatzer für eine adäquate Begleitung, während das Serviceteam mit unaufdringlicher Effizienz agierte.
Hansen Leopold Doppler
Die schwierige Balance zwischen üppigem Dekor und klarer Küchenlinie gelingt im Hansen in der Regel ganz vorzüglich: Der Lederleitner-Flagshipstore in der Römischen Markthalle des Börsegebäudes wuchert buchstäblich in den Restaurantbereich hinüber, aus der Küche wiederum kommen stilsicher reduzierte Großstadtgerichte, und man kann kaum anders, als das ganz großartig, stimmig und nachahmenswert zu finden. Wenn sich denn der kulinarische Minimalismus nicht bisweilen auch auf den betriebenen Aufwand niederschlagen würde: Sowohl die Schafkäsequiche mit marinierten Orangen und Rote-Rüben-Shot als auch die Spargelmousse mit lauwarmen Flusskrebsen und Vogerlsalat bewegten sich auf gehobenem Catering-Niveau, die Spargel-Melisse-Penne mit ihrer suppigen Oberssauce sogar noch etwas darunter. Wesentlich positiver fiel die im Backteig gebratene Lachs-Heilbutt-Kombination mit sautiertem Zucchini-Oliven-Gemüse auf, und für die Schokolade-Panna-cotta mit Weichselragout und Pistazienhippe würden wir der Hansen-Patisserie überhaupt gern Rosen streuen. Aber das wäre in diesem Zusammenhang dann vielleicht doch eine Spur zu blumig.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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