Neuberg ist mittlerweile nicht nur für sein beeindruckendes Münster, sondern auch für den gleich daneben befindlichen Gasthof Holzer bekannt. Der nahezu fensterlose, gewölbeartige Gastraum ist nicht ungemütlich, und die freundliche Bedienung sorgte mit frischem Brot, köstlichem Kürbiskernaufstrich und Karotten zum Knabbern für einen gelungenen Einstieg. Sowohl beim reizvollen, saisonal-regional ausgerichteten Angebot als auch bei der Qualität etlicher Gerichte konnten wir in letzter Zeit eine Steigerung feststellen. So machte uns nicht nur die erfrischende Spargelsulz mit Frühlingskräutersalat und speckumwickelter, gebratener Petersilie, sondern auch die feine Bärlauchsuppe mit Ziegenkasknödel viel Freude. Schade, dass die Beiriedschnitte ebenso wie der Lammrücken – beide erfreulicherweise auch als kleine Portionen erhältlich – zu durchgebraten waren. Sehr gelungen geriet dafür die Lammleber mit Salbei, Erdäpfelpüree und glacierten Äpfeln, eine stimmige Kombination. Da auch das Weinangebot – glasweise u. a. die Cuvée Peccatum 2003 von Leberl – und die Desserts (Eierlikörmousse mit Erdbeeren bzw. intensiv-fruchtiges Himbeer- und Pelargoniensorbet) keinen Anlass zur Klage gaben, kommen wir gerne wieder.
Holzer Familie Holzer
Delikat essen & trinken – dem Motto des Hauses könnte man noch hinzufügen „wie bei Freunden”, so ungekünstelt und herzlich ist der Empfang durch Patronne Siegrun Holzer. Zum Gedeck serviert sie einen erfrischend andersartigen Topfenaufstrich – mit Schabzigerklee, der in den Alpenländern gern als Brotgewürz verwendet wird. So ausgesucht wie die Zutaten der Speisen – so originell und unverwechselbar sind die Rezepte des Hauses Holzer. Etwa die Ziegenkasknödel – extrem locker, im Geschmack eigenwillig „ziegig”, dazu eine „Ratatouille styrienne” aus Kirschparadeisern und Zucchini. Ein wirklich großer Wurf gelang der Küche mit dem Spargelparfait. Selten, dass der Spargel sein Aroma derart intensiv entfaltet, gelungen auch die Idee, ihn mit zarten Häppchen gebeizter Lachsforelle zu kombinieren. Das fügte dem eleganten, dezenten Gericht eine belebend-frische, salzige Note hinzu. Die Scheiben vom Rehrücken wirkten wie ein Detail aus einem opulenten Rubens-Gemälde – dunkel an den Rändern, mit Abstufungen von Rosatönen bis hin zum hellen, extrem weichen Kern. Nach eigenen Rezepten entwickelt und im Einklang mit den Jahreszeiten zubereitet, waren auch die Desserts: intensiv der Kirschkuchen aus Schoko-Nuss-Teig, eigenwillig das Ziegentopfeneis mit hausgemachtem Sanddornmark. Das glasweise Weinangebot konzentriert sich auf die Südoststeiermark und passt gut ins Bild.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Kommentare werden geladen...