Die Küche im Hotel Imperial spielte niemals ganz vorne mit im Reigen der Ringstraßenhotels. Nun hat sich das Korso nach Umbau und Neudefinition gänzlich aus der Oberliga verabschiedet, worauf das Imperial erste kulinarische Adresse unter den Starwood-Hotels ist. Der neue Küchenchef Rupert Schnait hat ein schweres Los, muss er doch allerlei sonstige Aufgaben im Haus wahrnehmen, sein Zeitbudget für das Hauptrestaurant ist so naturgemäß begrenzt. Wir wählten das Menü und starteten mit einer ordentlich gebeizten Lachsforelle mit Hummertatar und einem geschmacklich alles dominierenden Zwergorangenconfit. Die Kohlrabischaumsuppe mit Frischkäse-Ravioli holte durchaus alles aus der milden Knolle heraus. Sowohl beim Filet vom Seesaibling mit Roten Rüben und Topinambur als auch bei Zweierlei vom Stubenkücken mit Gänseleber, Kräuterseitlingen und Süßerdäpfelpüree stellten wir fest, dass die durchwegs milden Aromen sich schön verbanden, irgendwelche Spannung kam aber nicht auf. Der Höhepunkt kam zum Schluss, die Valrhonaschokotarte mit Grand-Marnier-Sorbet spielte in der Topliga. Resümee: sehr gute und extrem teure klassische Hotelküche, mehr aber auch nicht.
Imperial Dir. Riccardo Giacometti
Wäre das Imperial-Restaurant in Paris, aus der Küche würde wohl ein Alain Ducasse grüßen oder einen Souschef dafür abstellen. Aber Wien ist anders, in das schöne Restaurant kommen Touristen, nur wenige traditionsverliebte Wiener verirren sich hierher. Auch die Küche weiß nicht, wen sie ansprechen soll, wie man bei den Vorspeisen bemerkt: Der geschnittene Kalbsrücken auf Salat war ein lässig-schnelles Gericht, das ganz gut, aber belanglos schmeckte. Beim Zweierlei vom Kaninchen – genau genommen war es ein Dreierlei, wenn man die kleinen gebackenen Röllchen mitzählt – mit Himbeeressig-Gelee von Alois Gölles merkte man, dass es auch anders geht: Da wurde geschnitzt und Millimeterarbeit am Teller geleistet. Die offenbar angebratenen Kalbsbries-Ravioli auf Mangold-Spinat mit gebratenen Kräuterseitlingen schmeckten die Spur zu derb. Die Rindsuppe hingegen aromatisch, wuchtig, superb! Der im Kräuterfond poelierte Neusiedlersee-Wels mit Flusskrebsen wurde leider zerkocht und zu wenig gewürzt. Das Lammkarree mit Thymian und Artischocken kam dagegen punktgenau auf den Tisch. Die Kaffee-Panna-cotta dann wieder sehr neutral im Geschmack – ein bisschen wie im Hotel.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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