Wenn im Sommer die Schanigartensaison eröffnet ist, sitzt es sich gegenüber der schön restaurierten Dominikanerkirche wie auf einer italienischen Piazza. Da scheint es dann auch gar nicht so weit hergeholt, wenn Hermann Haidinger mitten in der Altstadt von Krems Oktopusgröstl, gebratene Garnelen und Fine-de-claire-Austern auf die Karte setzt. Gut ins Bild passen auch das ofenwarme, knusprige Olivenbrot und das nach frisch gehobeltem Parmesan duftende Carpaccio vom Bio-Weiderind. Dazu marinierte Eierschwammerln und Steinpilze, dezent abgeschmeckt, knackig, richtig gekühlt und nicht eisig. Eine gute Hand bewies Haidinger auch für Gemüse. Aus Karotten und Gelben Rüben schuf er kleine, bunte Kügelchen und kombinierte sie mit Fisolen, Erbsenschoten, Brokkoli und Spargel, die er kurz blanchierte, in Olivenöl schwenkte und zum Lungenbraten in grüner Pfeffersauce servierte. Dass es den Erdäpfellaibchen an Geschmack und an Salz fehlte, können wir verzeihen, nicht aber, dass sich auf dem Teller neben dem Filet vom Donaukarpfen ein Stück Thunfisch befand. Darauf angesprochen, entschuldigte sich der Kellner und bot € 5,– Preisnachlass als Entschädigung. Die Vorstellung, dass der Gast hier für dumm verkauft und zur Restlverwertung vor dem Ruhetag herangezogen wird, verdarb uns die Freude an dem sehr fruchtigen und erfrischenden Dirndlgranité zum Dessert.
Zum Kaiser von Österreich Hermann Haidinger
Der Kaiser von Österreich – schwieriger Name, denn als Versprechen kann er kaum gelten. Hier haben wir es ja weder mit einem Kabarett-Restaurant nach dem Vorbild „Wir sind Kaiser“ zu tun und auch nicht mit einer schönbrunnartigen Inszenierung alter Ess-Sitten. Im Gegenteil: die Stuben wirken eher einfach, also durchaus nach Geschmack von Kaiser Franz Joseph, eines eher den einfachen Welten zugetanen Mannes, wie man oft liest. Die Karte liest sich gut: viel Bio, jedes Produkt mit seiner Herkunft beschrieben. In der Kremser Innenstadt gibt es zweifellos kein Restaurant, wo man auf diesem Niveau speist. Wir nahmen auf der kleinen Terrasse Platz und wählten eine kleine Speisenfolge. Ohne Tadel das marinierte Schulterscherzl mit Eierschwammerlsalat, dann eine gebratene Perlhuhnbrust mit Spargelrisotto, danach Marillenknödel mit Röster. Lobenswert auch der Wels mit Spargel und Sauce hollandaise oder das Donauland-Lamm mit Ratatouille und Polenta oder der „dry aged“ Rostbraten. Weine aller Länder und Geschmäcker.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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