Von der Terrasse des Kehlberghofs hat man bei schönem Wetter eine wunderbare Aussicht über Graz und Umgebung. Leider war uns das Wetter nicht hold, wir nahmen also in einer der Stuben Platz. Den Start in unseren Abend bildete ein Bio-Rindscarpaccio mit Salat vom Spargel, leider etwas zu sauer mariniert und damit das zarte Fleisch übertönend. Das Matjestatar mit Fenchel und Safrangelee war gut und solide. Die Frühlingszwiebelsuppe mit Thunfischnockerln fiel samtig und delikat aus, wirklich ein Genuss. Zarte Lammfilets mit Fenchel und Bärlauchroulade sowie ein etwas zu hartes Bio-Beiried mit Pinienkernnockerln auf Blattspinat und Kräuterseitlingen hinterließen einen etwas uneinheitlichen Eindruck. Die Desserts waren der Saison entsprechend mit Waldmeister und Erdbeer-Rhabarber als geschmacksgebenden Komponenten leicht und variantenreich. Die Weinkarte ließ uns in den steirischen Rieden fündig werden, sie umfasst sehr schöne regionale Tropfen. Allein, die Küchenleistung zeigte sich nicht in Höchstform, etwas mehr Kreativität und Mut zu interessanteren Kompositionen wären angebracht.
Kehlberghof Vinzenz Gruber
Der Kehlberghof liegt am südwestlichen Rand von Graz auf einer Anhöhe – alleine die schöne Aussicht lohnt die Anreise. Und erst recht erfreulich wird der Ausflug durch die kulinarischen Kompositionen von Vinzenz Gruber, der leichte Regionalküche mit südländischen Elementen kombiniert. Wir begannen mit einer einfachen Rindfleischsulz mit Kirschtomaten und weißer Tomatenmousse, sehr positiv der starke Eigengeschmack statt der üblichen Überwürzung. Die Karotten-Ingwer-Suppe bot angenehm erfrischende Schärfe und einen spannenden Kontrast zum enthaltenen Thunfisch-Sesam-Nockerl, durchaus raffiniert auch das Ribisel-Chili-Sorbet mit Melissen-Dickmilch. Als Zwischengang erfreute ein perfekt gebratener Branzino auf Basilikumschaum mit Scampi und etwas langweiligen Melanzanibällchen. Die wunderbare Suprême vom Perlhuhn und die zarte Entenbrust auf geschmacksintensivem Selleriepüree mit Sommertrüffeln zeigten ebenso hohes Niveau wie der als Dessert gereichte Kirsch-Baumstamm, dessen intensiver Schokoladegeschmack schön mit den saftigen Kirschen harmonierte – ein gelungenes, ironisches Zitat der Molekularküche hingegen die fruchtige Kirsch-Espuma.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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