Der Tschebull am Faaker See wird ein wenig durch eine gewaltige Baustelle – Apartments entstehen – zusammengedrückt. Aber sonst hat sich an diesem Traditionswirtshaus nichts verändert. Die Speisekarte ist nach wie vor eine nette Broschüre über die Herkunft der Lebensmittel, über die Philosophie des Seniorwirts Hans Tschemernjak und für eine rasche Speisenentscheidung unübersichtlich wie eh und je. Man muss sich dafür ganz einfach Zeit nehmen, denn die Speisen sind nach Lebensmittelgruppen geordnet. Daher haben wir vor lauter Backhendl – die übrigens munden wie kaum woanders – und klassischer Ente mit Rotkraut sowie flaumigem Serviettenknödel beinahe übersehen, dass auch ein Kalbsbeuschel angeboten wurde. Eine Kostprobe ging sich noch aus, und die war ein wohlfeiles Geschmackserlebnis. Bei einfacher Regionalkost zeigt dieses Restaurant, dass es zu den besten Kärntner Wirtshäusern zählt. Der Garten bleibt aber anscheinend weiterhin ein dumpfes, düsteres Speisepflaster. Dort wird nicht gebaut. Dieses Manko an gemütlichem Gartenambiente machten aber dann die hausgemachte Cremeschnitte und eine heimische Edelbrandparade mehr als wett.
Tschebull Familie Hans Tschemernjak
Schade, dass der Gastgarten an einer (stark befahrenen) Straße liegt. Da übersiedelt man dann doch lieber in den alten Wirtshaussaal, der den Gast freundlich mit sommerlichem Gelb-Orange (Wandgemälde, Dekoration) empfängt. Die originell gegliederte Speisekarte – was der Chef mag, was er am liebsten kocht, was am besten schmeckt – ist eine Herausforderung. Der pragmatischen Entscheidung für das, „was sowieso gut ist“, folgte eine mit einem Schuss Essig aufgepeppte Spargelcremesuppe, eine dezent gewürzte Spargelterrine mit Gurktaler Speck, auf den Punkt al dente (!) gekochte 12-Eier-Nudeln mit einem in seiner Einfachheit wunderbar geglückten Paradeissugo sowie ein Spargel-Türmchen, das mit Rind und Erdäpfelpüree zu einem harmonischen Geschmackserlebnis gebaut worden war. Einzig beim Wiener Schnitzel vom Tuttelkalb war dem Koch das Salz ausgekommen. Eine „Sonntagsgeschichte“ ist stets die Cremeschnitte: Sie erwies sich als weit weniger üppig als erwartet, sondern war luftig und machte mit Vanille glücklich. Ausgesprochen guten Service bietet die Weinkarte: Fair kalkuliert, mit hilfreichen Erklärungen, die exklusiveren Flaschen hervorgehoben.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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