Nach Jahren der Unsicherheit hat das Management des Hotel Bristol jetzt offenbar eine radikale, aber klare Entscheidung getroffen: Das Korso, einst eine der führenden Gourmetadressen des Landes, wird künftig als ganz normales Hotelrestaurant geführt. Nach einem Umbau signalisiert schon die Innenarchitektur, dass hier künftig die Club-Sandwich-und-Filetsteak-Liga bedient werden soll: Die Tische sind kleiner als früher, manche davon werden nach dem Vorbild der Pariser Bistros erst eingedeckt, wenn die Gäste auch tatsächlich etwas zu essen bestellen. Auf der Karte stehen die offenbar unvermeidlichen Hotel-Standards: ein gut gemachter Caesar Salad, ein ordentlich würziges Beef Tatar, gebratene Garnelen. Dazu kommen, wie das der internationale Gast hier an der Ringstraße schließlich erwartet, ein paar Klassiker der Wiener Küche, die aber ebenfalls von allzu lokalem Kolorit gesäubert wurden. Die „Altwiener Gulyashsuppe“ (sic!) schmeckte tatsächlich so, wie die Schreibweise erwarten lässt, nämlich sämig und herzhaft, aber mild und zurückhaltend im Zwiebel-Einsatz. Der Tafelspitz mit Schnittlauchsauce und Apfelkren war tadellos, aber nicht mehr. Das Backhendl mit Rahmgurkensalat hätte dank gutem Ausgangsprodukt und knuspriger Panier sogar richtig Freude machen können – wenn es nicht völlig ungewürzt gewesen wäre. Ins Top-Segment gehören nach wie vor die Wein- und Champagnerauswahl – und die Preise.
Korso bei der Oper Gerhard Palm
Das Restaurant Korso im Bristol. Was für ein Klang in Kreisen versierter Gourmets. Nun, die Glanzzeiten eines (mittlerweile längst abgewanderten) Reinhard Gerer sind definitiv vorbei, gepflegtes Hotelrestaurant-Mittelmaß lautet seit ein paar Jahren die Devise. Die Speisekarte liest sich zwar ziemlich ambitioniert und auch die höfliche Bedienung erinnert noch daran, dass das Korso einst zu den Top Ten des Landes zählte. Die banale Gurkenkaltschale mit Krebserln als Amuse bouche zum durchschnittlichen Gedeck holte uns dann aber rasch in die Jetztzeit zurück. Wie gesagt, unspektakuläre Allerweltsküche. Gänseleber mit Marillenchutney, Brioche und Macadamia: ganz nett. Bio-Rind-Tatar mit (nahezu roher) Languste und Wiesenkräutersalat: in Ordnung. Geeiste Melonensuppe: okay. Ärgerlich, dass das Lamm weit länger als rosa gebraten war und sich die geschmorten Artischocken dazu als langweilige Beilage herausstellten. Die winzige Portion vom Steinbutt mit ein paar wenigen Burrata-Ravioli (zu € 39, wie überhaupt sich das Preisniveau jenseits jeglicher Vernunft bewegt) schmeckte eigentlich nach mehr, wohingegen die Marillenmousse auf mit Thymian getränktem Kompott nur noch den Wunsch nach einem Kaffee zum Abschluss auslöste. Dass dann zu gar nicht einmal so vorgerückter Stunde die Tische für das Frühstück umgedeckt wurden (das Korso dient mittlerweile als Bristols Mädchen für alles), trug nicht gerade zur – durch die schöne Tischkultur und das immer noch ansprechende Ambiente – gehobenen Atmosphäre bei.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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