Optisch ist es mit Sicherheit das schwierigste Hotelrestaurant der Stadt: Die zugige Halle, in der das Le Siècle untergebracht wurde, würden sogar die Betreiber eines Bahnhofsrestaurants als Standort ablehnen. Mit Harald Riedl versucht es hier gerade einer, der häufig die Arbeitsplätze wechselte. Der Mann schätzt die Klassik: Er füllt seine Frühlingsrolle mit einer würzigen Gänseleber-Farce. Auf Letztere pur trafen wir wieder, als die gebackenen Wachtel-Haxen serviert wurden, sie waren mit Gänseleber geimpft – eine geschmacklich gelungene, wenn auch sättigende Kombination. Danach wurde es leichter und gefälliger: Die Calamares kamen mit rohem Fenchel gefüllt, gut und einfach. Die Curry-Kokos-Suppe erwies sich als eine dickflüssige, banale Verwirrung. Wesentlich besser ein schön bissfest gegarter Steinbutt auf molligem Auberginen-Püree, der das Mittelmeer näher brachte. Beim Lammkarree hätte die gratinierte Kruste mit zu vielen Gewürzen nicht sein müssen, das rote Fleisch schmeckte für sich alleine. Die Zitronencrêpe am Schluss war zu teigig. Eine neue Location im Haus und die Treue des Kochs vorausgesetzt, könnte es bald bergauf gehen.
Le Siècle c/o Michael Köberl
Den Ambiente-Jackpot wird das Le Siècle nicht bekommen, zu offensichtlich sind das Hotellobbygefühl und zu gering die Rückzugsmöglichkeiten. Kredenzt wird nach klassischer Wiener Schule mit internationalem Seitenblick. So findet man auf der Speisekarte auch Schnecken und Froschschenkel, aber ebenso Grandioses wie das Mosaik vom Steinbutt und Thunfisch mit Kräutersalat und Paprika. Das war ein starker Einstieg. Genauso die Velouté vom Muskatkürbis mit Ravioli. Weiter wurden wir beeindruckt mit einer Supreme vom Fasan mit Spitzkohl und Maronen, Schalotten und Weintrauben sowie einem Zweierlei vom Tullnerfelder Schwein mit Beluga-Linsen. Das Schwein hatte jedoch zu viel Hitze abbekommen und war schlichtweg trocken. Der Service schwirrt um einen herum, und sollte man von Anfang an nicht flaschenweise Wein bestellt haben, wird einem die Weinkarte geradezu aufgezwungen. Jene ist für ein Hotelrestaurant dieses Ranges jedoch eher bescheiden. Die Desserts haben dafür Klasse. Sowohl das Parfait von Kürbiskernen mit Honigmousse als auch die Grießknödel auf Quittenragout waren spitze.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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