Im kleinen Ort Weißkirchen bei Judenburg huldigt man in der etwas skurrilen gleichnamigen Wirtshaus-Taverne den längst vergangenen k. u. k.-Zeiten. Wie auch immer, abgesehen von der lästigen Musikberieselung der Sorte Musikantenstadl bietet die Familie Breznik eine überraschend aktuelle, mitunter ein wenig rustikale Küche, die einen besonderen Schwerpunkt auf regionale Produkte legt. Zu Recht, wie ein köstlich-mildes Chili-Pfeffer-Carpaccio vom Weißen Scherzel mit reichlich Parmesan und ein steirisches „Vitello" vom lokalen Zirri-Heufleischrind mit Räucherforellensauce bewiesen. Der Höhepunkt dann Zweierlei von Hirsch und Reh, traumhafte, rosa gebratene Filetstücke mit Selleriepüree, Preiselbeertascherln und Eierschwammerlgröstl. Dazu empfahl uns die aufmerksame Bedienung die Cuvée Tetuna von Robert Goldenits glasweise, wunderbar. Auch die fleischige, leicht zu filetierende Rachauer Bachforelle zeichnete sich durch hohe Qualität aus. Die Desserts standen den vorausgegangenen Gerichten um nichts nach (Kaffeemousse mit weinchadeauartigem Maiwipferl-Honigschaum bzw. Holunder-Cremeschnitte mit Erdbeersorbet). Gedeck gibt's übrigens nur auf ausdrückliche Bestellung, die angesichts des Variantenreichtums an Aufstrichen und Gebäck (mit gutem Speck) zu empfehlen ist.
K&K Wirtshaus-Taverne Erika und Toni Breznik
Steirerkas in einer gebackenen Teigtasche. Klingt gut, sah auch am Teller gut aus, doch am Gaumen entpuppte sich die Kreation aus der Murtaler Naturküche wenig aufregend: viel Hülle, wenig Fülle. Nur im Mittelteil der sonst recht knusprigen Teighülle war die schmelzige Würze des Steirerkas zu spüren. Die Sauce aus bissfesten Kohlrabiwürfeln mit Zucchini-Stifterln schmeckte ein wenig pappig und gar nicht fein abgeschmeckt. Dafür war die als Hauptspeise bestellte klassisch gebratene Kalbsleber, wie sie sein soll: zart, viel Zwiebel, eine schmackhafte Sauce. Leider schlossen sich die Stampferdäpfel als Beilage der vorher gespeisten Kohlrabisauce an: Sie schmeckten ganz einfach fad. Verlockend die Marillenknödel mit Vanilleschaum – so zumindest wurden sie vom Service angekündigt. Der Schaum war eine Vanillesauce und der Knödelteig alles andere als flaumig – ein mittelfester Teig, so würde es zumindest im Rezeptbuch stehen, allerdings nicht für Knödelteige. Alles in allem eine gute steirische Wirtshausküche mit regionalen Speisen, der es ganz einfach an diesem Abend an der sonst hier üblichen geschmacklichen Raffinesse mangelte.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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