Die pausbäckige Vision der Wiener Küche. Das Forum der Phäaken und all ihrer Nachahmer. Beim Plachutta ist auch in der so genannten Krisenzeit kaum ein Tisch zu kriegen an einem Montagmittag. Touristen aus allen Erdteilen und eingefleischte Beef Eater lassen sich hier vom Angebot auf der Karte ein Lächeln der Vorfreude aufs Gesicht zaubern. Der Service agiert mit Tempo und Verve. Zwei Markknochen extra geordert (sie werden pro Stück mit € 1,– berechnet), und schon sind sie da. Der junge Ober serviert Erdäpfelschmarren und Kochsalat mit genauer Kenntnis darüber, wo diese auf dem Teller des Gastes zu platzieren sind. Und alles schmeckt. Die Suppe mit dem Fleischstrudel, eine echte Bouillon, keine Kraftsuppe. Das Gemüse, mit dem das Gekochte vom Rind serviert wurde, ist knackig und bunt. Und dann die Hauptsache: Wir bestellten mit Reverenz an den Namensgeber des benachbarten Platzes den Luegertopf. Ein saftiges Beinfleisch, nicht zu fett, sonst hat man nachmittags sein Gfrett (Weinheber etwas frei zitiert), ein Kalbskopf, Zunge. Basic Instinct Food der Wiener Seele. Der Spargel, der gerade Saison hat, ist ein Prachtexemplar. Das dazu gereichte Kalbssteak ächzt ein wenig unter der Last der Brösel-Ei-Masse. Eine Schokomousse zum Abschluss erweist sich als ein wenig viskös. Macht nichts. Wir machen es wie die Russen am Nebentisch und bestellen eine Runde Schnaps. Auf das Erfolgsrezept einer der wenigen echten Marken der Wiener Gastronomie!
Plachutta Wollzeile Mario Plachutta/Helmut Krcal
Das Wort Systemgastronomie ist nicht sonderlich positiv konnotiert. Die landläufige Assoziationskette reicht von Autobahnrast über Burgerfutter bis Kunstnahrung. Mario Plachutta liefert mit seiner Rindfleischkette den Beweis, dass System und Qualität nicht in Widerspruch stehen müssen. Der Begriff Flaggschiff für das Lokal in der Wollzeile ist gar nicht so weit hergeholt, werden hier an guten Tagen mit 1000 Essern ebenso viele verköstigt wie auf einem mittleren Kreuzfahrtschiff. Und genau da greift das System. Plachutta ist es gelungen, seinem Angebot einen stabil hohen Standard zu verpassen. Die Vorspeisenkombination bot eine würzige Tafelspitzsulz, ein peppiges Beef Tatar mit Currycreme und eine sehr klassische Gänseleberterrine mit Madeiragelee. Das Beinfleisch im Kupfertopf war von herrlich saftiger Konsistenz, die geröstete Kalbsleber im Majoran-Schalotten-Saft zart auf den Punkt gebraten. Alle Portionen wurden in L bis XL serviert so wie etwa das opulente Oberskaramell-Eis. Weniger systematisiert und mehr ignorant agierte diesmal der Service. Dem bisweilen hektischen Geschehen im Inneren entgeht, wer im Wintergarten reserviert.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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