Erfindungsreichtum kann man Luigi Ottaiano sicherlich nicht absprechen. Doch scheint nun eine zweite Komponente hinzugekommen zu sein: die der Verlässlichkeit und Beständigkeit. Die qualitativen Schwankungen von einst waren bei diesem Besuch wie vom Tisch gewischt, was den Schluss zulässt, dass der Chefkoch mit neapolitanischen Wurzeln seine innere Ruhe gefunden hat und diese auf dem Teller ihren Ausdruck findet. So waren die Bandnudeln aus Gerste mit Ragout von Lammbraten, roten Peperoni und grünem Spargel aromastark und über jede Kritik erhaben. Intensiv und kreativ auch die Ravioli mit Ochsenschwanzfüllung, Rosinen, Pinienkernen und Schafskäse. Harmonie pur trotz gewagter Kombination verströmten die lauwarmen Tintenfische mit Kräutern, Pferdefleischstreifen, Caciocavallo (Weichkäse) und mariniertem grünen Spargel. Japanisch angehaucht die Thunfisch-Lachsrolle mit Amarant, Tomatenconfit, Avocado und Haselnüssen. Alle Gerichte zeugten von handwerklicher Akkuratesse. Göttlich nicht nur dem Namen nach, sondern auch im Geschmack die Desserts: „Zeus“, ein Bitterschokolademousse mit Katalanischer Creme und Kumquat. Mittags werden kleine Menüs und Tellergerichte mit passendem, glasweise ausgeschenktem Wein angeboten, abends dann das große Menü im minimalistisch gehaltenen Speisesaal oder auf der Terrasse im kleinen Ansitz Kallmünz. Zum Personal: Dieses besteht ausschließlich aus japanischen Fachkräften, die stets freundlich und kompetent agieren, auch wenn es darum geht, den richtigen Wein aus der umfangreichen Weinkarte zu empfehlen. Das Kallmünz ist bei dieser Leistung auf dem besten Weg zur zweiten Haube.
Kallmünz Meinhard Khuen-Belasy
Das Kallmünz begeistert mit seinem minimalistischen Interieur und dem historischen Vorgarten immer wieder aufs Neue. Chefkoch Luigi Ottaiano kombiniert in seinem Restaurant neapoletanische Kreativität, Präzision und ein herausragendes Gefühl für Geschmackssymbiosen. Die erstklassigen Antipasti – Millefoglie vom Oktopus Brunoise auf süßsaurem Gemüse, Glasur aus Zitrusfrüchten und Wasabisauce und Tatar aus Kobe-Rind, Calvados-Birne, Paté aus Schafmilch-Ricotta, Coulis aus chinesischen Mandarinen – bestätigten dies eindrucksvoll. Und auch die anschließenden Brotteignudeln mit Souté aus Roten Linsen, Rosenkohl und Tomaten-Garnelen-Ragout waren sehr stimmig zubereitet. Mit den Hauptspeisen gelang der große Wurf: die Fischsuppe – eine Kombination aus Drachenkopf, See-Knurrhahn, Oktopus, Seebarben und Garnelen – und die Steinbutt-Scheibe mit Shiitake-Pilzen, Artischocken und schwarzem Trüffel, sautiert und gewürzt mit Anis, schmeckten sehr intensiv und fein. Fantasievolle und schokoladige Desserts zum Ausklang. Erfreulich im Kallmünz auch der japanisch-freundliche und aufmerksame Service. Bravo!
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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