Das kleine, feine Restaurant in Pöttsching im Autobahn-Niemandsland zwischen A2, A3 und S4 ist ein Ort der Besinnlichkeit. Hektik kommt hier selten auf, die konzentriert das multiple Unternehmen Reisinger auf das Catering und Festspiel-Restaurant in Mörbisch. Auch irgendwelchen kulinarischen Trends hechelt man hier nicht hinterher, was einerseits exzellente Klassiker in erfreulich geradliniger Ausführung garantiert, andererseits schon ein bisschen Retro-Gefühle aufkommen lässt. Hühnerterrine mit Preiselbeer-Kompott etwa, gut, so wie früher, Kräuter-Lachs-Palatschinken bekommt man auch nicht mehr oft, schade eigentlich. Die knallgrün-rosigen Rouladen waren fein, allerdings hätte der Lachs um eine Nuance delikater sein können. Senf-Sauce, ein durchgekochtes Wachtelei und nur mittelfrischer Lachskaviar als unnötige Dekoration minderten die nostalgische Freude ein bisschen. Das Filet vom Hirschkalb mit geschmorten Vogelbeeren, Topinamburpüree und exzellentem Bratensaft gefiel hervorragend, und die knusprige Apfeltarte mit Nougat-Parfait (etwas trocken) und wunderbarem Zwetschkenröster sorgte ebenfalls für Spaß der klassischen Sorte.
Der Reisinger Gerald und Andrea Reisinger
„Der Reisinger" überraschte in mehrfacher Hinsicht: zunächst durch sein in dieser Gegend eher unerwartetes Designerambiente mit Natursteinen und Holzapplikationen, dann mit einer französischen Woche und last, but not least mit ihrer Umsetzung, die sich nicht in zum Scheitern verurteilten Kopierversuchen offenbarte, sondern die individuelle Handschrift von Thomas Trenkmann trug, der seinen frankophilen Impressionen regionale und saisonorientierte Akzente zu verleihen verstand. Das galt für das hauchzarte Mille-feuille von Edelfischen ebenso wie für die Bärlauchcreme mit klug gebändigter Knoblauchnote und deftiger Schneckeneinlage. Der nussige Wohlgeschmack des ausgelösten Hummers harmonierte mit der lebhaften Paradeissauce und die à point getroffene Taubenbrust auf gegrillten Kräuterseitlingen mit getrüffeltem Kartoffelgratin schoss überhaupt den Vogel ab. Klassische Crêpes Suzette finalisierten die gelungene Exkursion. Die Weinauswahl war erstaunlich klein – immerhin reichte es für eine ansprechende Begleitung durch einen Sauvignon Blanc aus dem Languedoc. Der Service vermittelte den Eindruck, an seinem Beruf echte Freude zu haben.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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