Ein salzbürgerliches Wirtshaus vom alten Schlag. Dicke Mauern, Bretterböden, rustikales Interieur, aber mit Liebe in Stand gehalten. Man muss es mögen. Der Wirt beäugt die Gäste. Er wirkt wie der große Bruscon in Bernhards „Theatermacher“. Nur wird hier nicht das Rad der Geschichte aufgeführt, sondern die Klassiker der Salzburger Küche. Ein paar Gerichte der internationalen Art mit eingeflogenen Produkten gibt es auch, die wohl fürs Stammpublikum gedacht sind, weil sie einem an diesem Ort irgendwie unerwartet daherkommen. Eine Vorspeise ohne Fleisch und Gemüse, dafür mit Büffelmozzarella ist okay, aber nicht mehr. Die Attraktion kommt im silbernen Topf: die nach traditioneller Manier gekochten Stücke vom Ochsen. Es duftet und dampft, dass sich die Brillengläser der gerade vom Spaziergang angekommenen Gäste am Tisch beschlagen. (Wobei wichtig: ohne Reservierung ist nix mit Hereinspazieren. Schon gar nicht am Wochenende.) Vorher eine Rindsuppe mit Markscheiben. Ordentlich Markscheiben. Nachschlag wird gerne offeriert und genommen. Dann serviert man Tafelspitz, Schulterscherzel, Hieferscherzel, Zunge (oder was auch immer). Das Rindfleisch von klarer Struktur und Geschmack. Neuerdings sagt man dazu Umami. Der perfekt karamellisierte Erdäpfelschmarren und der Cremespinat sind so, wie es sich gehört und wie es leider selten anzutreffen ist. Tadellos. Auch das Wiener Schnitzel oder die gefüllte Kalbsbrust mit kleinen, gekonnt zubereiteten Gemüsen machten Freude. Fast ein bisschen Witzigmann-Schule. Buchteln mit Vanillesauce gibt es auch. Da würden wir nach Schnitzel und Tafelspitz normalerweise abwinken. Aber diese Buchteln in Vanillesauce mussten einfach noch sein.
Schloss Aigen Familie Forstner
Es ist ein ganz besonderer Ort, dieses charmante, ländlich anheimelnde Gasthaus mit Holzboden und Kachelofen, und es hat sich, seit der junge Andreas Döllerer aus der Gollinger Gastrofamilie hier eingeheiratet hat, zum Spitzenrestaurant entwickelt. Trotzdem blieb die Atmosphäre entspannt. Für Rindfleischgerichte in allen traditionellen Tonarten war und bleibt die Küche in Salzburg maßgeblich, der Horizont hat sich jedoch signifikant erweitert. Heute glänzen auf der Speisekarte neben dem Kalbstafelspitz etwa Gänseleber aus dem Perigord, Wildlachs mit Grünkohl auf Brokkolicreme und Blutorangen, Spanferkel in Oliven-Fenchel-Sud oder eine Reinanke im Taschenkrebsfond. Wir ließen uns eine sehr delikate Rote-Rüben-Suppe mit Limette und einer gebratenen Jakobsmuschel schmecken, konnten uns über eine gelungene Fasanenbrust freuen und schlossen mit Sorbets von Passionsfrucht und Feige. Bemerkenswert der offen ausgeschenkte Zweigelt von Umathum, sehr angenehm und kundig die jungen Damen im Service. Sympathisch, dass hier keinerlei Hintergrundmusik stört. Wenn Wetter und Jahreszeit stimmen, kann man auch im wunderschönen Kastaniengarten sitzen.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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