Von Bruneck kommend fanden wir nach Durchquerung von Pfalzen und Issing das stattliche Gebäude links unterhalb der Landstraße in eine Senke gekuschelt. Der freundliche Service geleitete uns in eine behagliche, holzgetäfelte Stube – offensichtlich ein Rest der ursprünglichen Bausubstanz. Die Speisekarte signalisierte eine Tendenz zu opulenter Inszenierung, die wir sowohl bei der barocken Komposition von Gänselebertranchen mit delikaten Taubenbrüstchen als auch bei den Scheiben vom Kaninchenrücken auf frühlingshaftem Gemüsebouquet bestätigt fanden. Üppig und eine Spur zu süßlich fanden wir die Schaumsuppe von Krustentieren, rustikal-deftig die Milchkalbsbrust. Ähnlich verhielt es sich beim gebratenen Kitz mit marktfrischen Jungerdäpfeln. Nicht gerade saisonorientiert, aber dennoch als kulinarische Spitzenleistung erschien uns das exakt gegarte Hirschrückenfilet mit Kräuterkruste, souverän abgeschmecktem Rotkraut und Selleriepüree. Am Ende unseres Streifzuges, der uns auch Gelegenheit bot, die Vielfalt und Qualität der Südtiroler Weinkultur zu würdigen, stand ein apartes, wenn auch extrem süßes Rhabarberparfait.
Schöneck Gebr. Karl und Siegfried Baumgartner
Es gibt Abende, an denen einfach alles passt. Man sitzt in einer gemütlichen Gaststube, umsorgt vom freundlichen Service und einem Sommelier, der einen Schatz nach dem anderen in die Gläser zaubert, und bekommt dazu ein Menü, das vom ersten bis zum letzten Gang herzerwärmend, verblüffend und ohne den leisesten Hauch einer Schwachstelle ist. Dann kommt man Monate später wieder und irgendwie spürt man, es kann nicht wieder so sein. Und tatsächlich: Bei unserem zweiten Besuch im „Schöneck“ war es anders. Nämlich noch besser. Der Zackenbarsch mit Auster und sizilianischer Gamberoni, ein Lehrbeispiel für geschmacklichen Purismus, ebenso der kurz angebratene Thunfisch mit Kaperncreme und Kapuzinerkresse. Der Hummersalat mit roter Zwiebel, Sellerie, Paradeiser und Oliven dann einfach genial, ein Signature Dish für den Stil von Karl Baumgartner: unprätentiös, dem natürlichen Geschmack vertrauend und trotzdem unglaublich raffiniert. Das gilt auch für die Taubenbrustscheiben mit geräucherter Gänseleber und die Schlutzkrapfen aus Boxelemehl mit Burrata, Gerichte, die vor Sinnlichkeit und Intensität strotzen. Der Hirsch mit Selleriepüree und der Raviolo von der Ananas mit gesalzener Karamellcreme halten das hohe Niveau bis zum Schluss ebenso wie die grandiose Weinbegleitung von Karls Bruder Siegi.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
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