Es ist ein sehr breiter Spagat, den dieses Restaurant bewältigt. Schon zu Mittag haben die Gäste die Wahl zwischen einem Karfiol mit Bröseln als günstigem Mittagsgericht und einem mehrgängigen Gourmetmenü. Damit nicht genug, die Küche bietet auch noch durch einen Bogen vom Nahost-Schwerpunkt bis zu Wiener Klassikern eine wilde Mischung. Das Überraschendste ist aber: Es funktioniert und gelingt auch fast immer. Zumindest bei unserem Testbesuch überzeugten mehr als tadellose Mezze, etwa die wirklich guten, mit Pinienkernen und Reis gefüllten Weinblätter sowie der Salat von weichem Oktopus mit Kalamata-Oliven und Tomaten. Bei den Hauptgängen wagten wir neben der recht intensiv schmeckenden gebratenen Lammkeule mit Grillgemüse eine Seezunge im Ganzen, die ein bisschen trocken ausfiel. Der knusprige Seeteufel mit Steinpilz-Tomaten-Creme war recht ordentlich, nur die überbackenen, etwas derben Maccheroni hätte es gar nicht mehr gebraucht. Beim Dessert geht es wieder in den Südosten: Das Baklava ist so süß, wie es sein soll, also fast zu süß. Die Früchte-Sorbets, aufgegossen mit Champagner, sind als Gegenstück eine gute Wahl.
Selina Maria Wieser, Alexander Verzi
Das Selina im 8. Bezirk, unweit des Theaters in der Josefstadt, bietet einen Mix aus regionaler und internationaler Küche mit einer Tendenz zu italienischen Gerichten. Linguine alla Carbonara, Rucolasalat mit Grana finden sich ebenso auf der Karte wie klassische Gerichte von Tafelspitzsülzchen, Beef Tatar bis Wiener Schnitzel. Außerdem kommen auch viel Fisch und Meeresfrüchte zum Einsatz. Für jeden Geschmack ist also etwas dabei. Leider gibt es aber ein „Aber": Sowohl die Eierschwammerlsuppe mit frischem Majoran als auch die klare Tomatensuppe schmeckten unharmonisch (die eine etwas zu sauer, die andere viel zu süßsauer und konzentriert) und konnten uns nicht überzeugen. Das Perlhuhn mit Balsamico-Linsen und Erdäpfelroulade war brav – mit einem Touch zu viel Balsamico auf den sehr weichen Linsen. Das Branzinofilet mit gebratenem Erdäpfelsalat war ebenfalls enttäuschend. Trockener Fisch und der spannend klingende gebratene Erdäpfelsalat entpuppte sich als Braterdäpfel mit warmen und damit weichen Salatblättern. Das ging wohl eher daneben. An diesem Tag hatte die Küche eindeutig den schlechteren Tag als der Service – freundlich und bemüht hätte er wahrscheinlich gerne ansprechendere Speisen serviert. Das langgezogene Restaurant wirkt durch die lockere Tischverteilung und die aufwendige Tischkultur elegant. Die Weinkarte ist österreichisch dominiert und wenig ehrgeizig.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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