Der Sodoma gilt als nachgerade idealtypisches Wirtshaus: bodenständig, aber nicht bieder, einheimisch, aber nicht provinziell. Tatsächlich dürfte eines der Geheimnisse des Hauses darin liegen, dass die Sodomas – Gertrude in der Küche, Patron Pepi und die Kinder Susanne und Markus im Service – ihre Regionalität vor einem internationalen Horizont entfalten. Sie kennen die Bodegas Nordspaniens ebenso wie die Osterien des Friaul und des Piemont, wovon übrigens auch der Weinkeller im „Wirtshaus zur Sonne“ Zeugnis ablegt. Jedenfalls fühlen sich Wirtshausgeher, die einfach nur ein knuspriges Schnitzel wollen, ebenso wohl wie verwöhnte Städter, die dem legendären Ruf der Grammelknödel mit warmem Krautsalat gefolgt sind. Manche Gerichte weisen weit über den Anspruch des Wirtshauses hinaus, bei unserem Besuch etwa der lauwarme Ochsenschlepp mit Roten Rüben oder die wunderbar zarten, dabei kräftig abgeschmeckten gratinierten Kalbskutteln. Zu welchen Steigerungen altbekannte Standardgerichte fähig sind, zeigte der saftig-mürb geschmorte Zwiebelrostbraten. Auch der sonst eher ins Milde tendierende Kalbsrücken wurde dank pikanter Senfsauce, molliger Schupfnudeln und süßer Erbsenschoten zur spannenden Kombination. Die Desserts in ihrem üppigen Überschwang erfordern eine gewisse Entschlossenheit – Marillenknödel im Anschluss an ein Viergang-Menü sind nicht für jedermann zu bewältigen. In unserem Fall wäre es ewig schade gewesen, auf die herrlich aromatischen gebratenen Apfeltascherln mit Vanilleschaum zu verzichten.
Sodoma Josef Sodoma
Tulln kann sich glücklich schätzen, Heimatstadt des Gasthauses „Zur Sonne“ zu sein, wo seit vielen Jahren gutbürgerliches Essen auf konstant hohem Niveau serviert wird. Der erworbene Ruf motiviert auch sehr viele Wiener zu einem Ausflug nach Niederösterreich. Ob man lieber rustikaler in der gemütlichen Gaststube (ist zugleich der Raucherbereich) oder eleganter und rauchfrei speisen möchte, im „Sodoma“ ist beides möglich. Ganz egal wo, es lohnt auf jeden Fall, sich vom Patron „Pepi“ Sodoma beraten zu lassen. Als wahrer Genussmensch kostet er viel und teilt seine Entdeckungen gerne mit den Gästen. Zu den Klassikern zählen saftige Grammelknödel mit warmem Krautsalat sowie Kalbsleber mit Balsamicosauce und Erdäpfelpüree. Wer es nicht ganz so deftig mag, wird viel Freude mit dem lauwarmen Seesaibling auf Topinamburpüree und Spinatcreme haben. Aber auch die Empfehlung des Chefs, die Lachsforelle auf Rahmgurken, war den Versuch wert. Und erst das Rehfilet: so saftig, mürb und auf den Punkt gegart, Kompliment an die Küche. Und dass die perfekten Garpunkte kein Zufall waren, dessen konnten wir uns auch beim Pfeffersteak und beim Zwiebelrostbraten überzeugen. Die Weinkarte mischt gekonnt Lokales mit Internationalem. Ob Wachauer Smaragde, deutsche große Gewächse oder Bordeaux, die Weinkarte ist nicht riesengroß, aber intelligent zusammengestellt und kalkuliert.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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