Ein Ausflugslokal in einem Wiener Nobelbezirk? Die Wiener Edel-Dependance eines steirischen Traditionshauses? Klingt alles schlimmer, als es ist: Man sitzt besonders schön im Garten des Steirerstöckls, kein Wunder, nebenan ist der Pötzleinsdorfer Schlosspark. Der Küchenstil entpuppt sich als überraschend rustikal, aber dieses Backhenderl braucht auch keine Verzierungen oder Schnörkel, so schön wie die Panier kracht und das Fleisch darunter saftig schmeckt. Ja, natürlich, Kernöl gibt es hier in rauen Mengen, ob im Salat oder auf der Kürbiscremesuppe. Wirklich gut waren bei unserem Testbesuch ein sämiges, aromatisches Eierschwammerlgulasch und die kleinen, gerösteten Schammerln mit Ei. Das steirische Wurzelfleisch gelang hier naturgemäß besonders gut, am besten schmeckt es bekanntlich, wenn das Fleisch schon fast zerfällt. Beim Apfelstrudel bleiben wir lieber in der Innenstadt-Konditorei. Den vielen Besuchern – nicht wenige mit Kindern – aus dem 18. und den benachbarten Bezirken scheint die Einfachheit zu gefallen, der passende resche Wein auch. Es gibt natürlich nicht nur solchen, sondern auch rundere, kräftigere steirische Tropfen.
Steirerstöckl Peter Goach
Das hölzerne Knusperhäuschen weit draußen am Rande des Wienerwalds gehört zu den beliebtesten Ausflugslokalen der stadtflüchtigen Wiener. Hier hat sich seit Jahren nichts verändert, und die meisten Gäste wollen das wohl auch so: ein wunderschöner Garten, hinter dem die Baumriesen aufragen, blanke Holztische, eine Karte, auf der Bauernbrot mit Verhackertem, Brettljause mit (erstaunlich trockenem) Waldschweingeselchtem und Käferbohnensalat mit Kernöl ihren verlässlichen Platz haben. Die Weine sind ebenfalls steirisch – vom extrareschen Welschriesling bis zum kräftigen Sauvignon Blanc. Allerdings kommt die Küche über das Jausenstationen-Niveau nicht so recht hinaus. Es dominiert das Fleisch vom „Reinischkogler Waldschwein“, das sich als Schnitzerl in Kürbiskernpanier, als Medaillon auf Sommergemüseragout, als Füllung üppiger Fleischknödel mit Sauerkraut wiederfindet. Oder eben als knuspriger Schweinsbraten mit Serviettenknödel, Schilcherweinkraut und Kümmelsaftl, der sich sogar nach einem ausgedehnten Spaziergang als reichlich schwer entpuppte. Das kräftig gewürzte Reisfleisch geriet eher pappig als mollig. Da ist wohl im Lauf der Zeit die Routine in Schlendrian umgeschlagen. Insgesamt lässt sich sagen: rustikal, herzhaft, deftig – aber für eine Haube doch zu wenig.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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