Das Restaurant Tanglberg, untergebracht in der rußig-finsteren Stube eines ehemaligen Bürgerspitals aus dem 17. Jahrhundert, das es sich mit einer der interessantesten Galerien Oberösterreichs teilt, zählt fraglos zu den interessantesten kulinarischen Orten des Landes. Hier bekam man – vor allem während der kurzen Phase von Wolf/Nairz – zu essen wie sonst nirgendwo in Österreich, radikal-französische Küche aus den besten Produkten der Region und der Welt (konkret: Frankreichs). Und diesen Geist hat der seit sechs Jahren hier kochende Rainer Stranzinger offenbar exzellent aufgegriffen. Unser Menü begann mit einem luftig-leichten, aber trotzdem kräftigen Entenleberflan mit Rhabarber. Auf den ersten Biss perfekt, gelungen abgerundet mit einem Hauch Lakritze. Ein wahres Vergnügen sind die Fische: Diesmal ein warm gebeizter Traunsee-Weißfisch mit Ochsenmark verschmolzen, Coquilles St. Jacques mit Vichyssoise von der grünen Mandel und Steinbutt in Beifußbutter gebraten mit frischem Paradeisersalat. Jedes Gericht, in außergewöhnlicher Kombination zubereitet, begeisterte durch aromatische Intensität und handwerkliche Perfektion. Der geschmorte Kalbsfuß im kräftigen Fond, eine Hommage an Frankreich, superb! Letztlich noch ein Genuss in Form einer Rhabarberessenz mit Pistazienstich und Sauermilchsorbet – absolut auf dem gleichen Niveau. Einziges Manko: Manche Gerichte scheinen nicht zu Ende gedacht, so etwa geraten die Beilagen mitunter ein bisschen banal und trüben den euphorisierenden Eindruck. Da wäre sicher noch mehr drin. Über die Weinkarte muss man nichts sagen, außer dass sie genau die richtigen Getränke für diese Küche offeriert – önologische Kunstwerke aus Österreich, Deutschland und Frankreich. Das kleine Restaurant wird von Patronne Ricki Staudinger bestens und zugleich überaus persönlich serviciert sowie vinophil begleitet.
Tanglberg Erich Spitzbart/Ricki Staudinger
Auch wenn die Örtlichkeit Vorchdorf nicht zu den schönsten im Land zählt, das Tanglberg tut es dafür umso mehr. Selten erleben wir ein Restaurant, in dem Einrichtung, Stil, Farben, Dimensionierung und Komfort so penibel aufeinander abgestimmt sind wie dieses. Und das Schöne daran: Es wirkt alles so selbstverständlich und unangestrengt. Kein Wunder, dass das Tanglberg oft ausgebucht ist. So ergatterten wir den letzten Tisch – im kleinen Innenhof, was sich atmosphäremäßig als Glückstreffer erwies. Aber nur wegen des schönen Ambientes und der Kunst an den Wänden reist hier wohl niemand an. Also her mit der französischen Foie gras mit jungem Aal, dem Pot au feu mit Kalbskutteln und Miesmuscheln, dem Hummer mit Pfirsich und Artischocken in einem so gekonnt abgeschmeckten Jus, wie man ihn nur alle gefühlten zehn Jahre zu essen bekommt. Pauillac-Lamm mit Brokkoliknospen und Perlzwiebeln, ergreifend in seiner Schlichtheit und eine ideale Gelegenheit, tiefer in die Weinkarte zu greifen, wo Frankreich genauso tonangebend ist wie in der Küche. Ziegenkäse aus dem Perigord, mit Ziegentopfen-Sorbet und Boskop – auch aus Käse kann man mehr machen, als ihn bloß aufzuschneiden. Ein Dessert aus Topfen und Erdbeeren noch und ein Fazit: Selten ein Restaurant erlebt, wo uns die Bewertung so leicht gemacht wurde.
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
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