Detailansicht 2012

2011
17 Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Das Restaurant Tanglberg, untergebracht in der rußig-finsteren Stube eines ehemaligen Bürgerspitals aus dem 17. Jahrhundert, das es sich mit einer der interessantesten Galerien Oberösterreichs teilt, zählt fraglos zu den interessantesten kulinarischen Orten des Landes. Hier bekam man – vor allem während der kurzen Phase von Wolf/Nairz – zu essen wie sonst nirgendwo in Österreich, radikal-französische Küche aus den besten Produkten der Region und der Welt (konkret: Frankreichs). Und diesen Geist hat der seit sechs Jahren hier kochende Rainer Stranzinger offenbar exzellent aufgegriffen. Unser Menü begann mit einem luftig-leichten, aber trotzdem kräftigen Entenleberflan mit Rhabarber. Auf den ersten Biss perfekt, gelungen abgerundet mit einem Hauch Lakritze. Ein wahres Vergnügen sind die Fische: Diesmal ein warm gebeizter Traunsee-Weißfisch mit Ochsenmark verschmolzen, Coquilles St. Jacques mit Vichyssoise von der grünen Mandel und Steinbutt in Beifußbutter gebraten mit frischem Paradeisersalat. Jedes Gericht, in außergewöhnlicher Kombination zubereitet, begeisterte durch aromatische Intensität und handwerkliche Perfektion. Der geschmorte Kalbsfuß im kräftigen Fond, eine Hommage an Frankreich, superb! Letztlich noch ein Genuss in Form einer Rhabarberessenz mit Pistazienstich und Sauermilchsorbet – absolut auf dem gleichen Niveau. Einziges Manko: Manche Gerichte scheinen nicht zu Ende gedacht, so etwa geraten die Beilagen mitunter ein bisschen banal und trüben den euphorisierenden Eindruck. Da wäre sicher noch mehr drin. Über die Weinkarte muss man nichts sagen, außer dass sie genau die richtigen Getränke für diese Küche offeriert – önologische Kunstwerke aus Österreich, Deutschland und Frankreich. Das kleine Restaurant wird von Patronne Ricki Staudinger bestens und zugleich überaus persönlich serviciert sowie vinophil begleitet.

2010
17 Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


Das Tanglberg im oberösterreichischen Vorchdorf steigert sich immer mehr zum Highlight der regionalen Feinschmeckerszene. Auch wirtschaftlich dürfte der Betrieb ein Volltreffer sein. Bei unserem Besuch unter der Woche fanden wir uns in einem vollen Lokal, und das in Zeiten, in denen so manch anderer hochdekorierte Kollege schnauft. Nach einem kurzen und knappen Amuse bouche, einem Froschschenkerl, begannen wir unser Menü. Die Vorspeise, eine Entenleber in zwei Gängen serviert, war die reine Freude. Die perfekt gebratene Variante war wohl zubereitet, auch die folgende Terrine mit einem unglaublich fruchtigen Kirschenkonfit war perfekt. Danach der Fischgang: Ein derart toll am Punkt gebratener Wolfsbarsch sucht seinesgleichen. Für das folgende Filet vom Charolais-Rind galt das ebenso, es wurde jedoch von der Aromatik einer zu intensiven Kräuterkruste übertönt. Die warmen Käsegänge sind eine Passion des Küchenchefs, der Epoisses mit „La ratte“-Erdäpferl somit ein Gedicht. Ein Vorteil nicht nur für den Gast, denn der Gastronom erspart sich den hohen Wareneinsatz einer ordentlichen Käseauswahl. Die Patisserie konnte bei Valrohna-Schokolade mit Wachauer Marille überzeugen, und die Petits fours schlossen das Menü würdig ab. Die önologische Kompetenz des Service ließ etwas zu wünschen übrig, doch wer selbst genug Geschick bei der Weinauswahl mitbringt, kann wahrhafte Schnäppchen ergattern. Wir freuen uns auf nächstes Jahr, die dritte Haube sitzt fest.

2009
17 Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2009.


Von außen macht das Bürgerspital nicht ganz so viel her - hat man die Tür aber erst einmal aufgestoßen, umfängt einen ein Interieur, wie man es sich charmanter kaum auszumalen vermag. Die Würde der uralten Mauern, der prächtige, duftende Kachelofen, die verschwenderische Fülle der Blumen, der spannungsvolle Kontrast, in dem all das zur zeitgenössischen Kunst steht, die die Wände schmückt: Das ist stets aufs Neue ein ganz besonderer, schöner Ort, um exzellentes Essen zu genießen. Und exzellent ist es fürwahr, was der junge Rainer Stranzinger mit bloß zwei Helfern auf die Teller zaubert. So sind die schelmisch als "Kleinigkeiten" angekündigten Amuses vielmehr Kleinode der Küchenkunst: Erst eine Tranche vom warm marinierten Seesaibling mit Apfel und Spargel auf Safran-Krustentiernage, dann ein Stück von der Erpelbrust in aromatisch funkelnder Kirschensauce samt etwas "Kirschenluft" - einem duftigen Schaum, dessen Konfektion sich Stranzinger beim Küchenstar Arzak im Baskenland aneignete. Der mit sicherer Hand pochierte Hummer mit Pfirsich, Radicchio und herrlich frischen, grünen Mandeln durfte dagegen ganz klassisch in einer leicht süßen, meeresfruchtigen Sauce zu Tisch: grandios. Rehrücken im Lakritze-Grünkornteig mit frischen Morcheln und gartenfrischen Karotten war abermals meisterlich gegart und mit einem zarten, nach Rosmarin und Zimt duftenden Fonds umspielt. Seit vergangenem Jahr stehen den Gästen auch einige sehr charmant eingerichtete Zimmer zur Verfügung - ein Grund mehr, sich an der zurückhaltend kalkulierten Weinkarte gütlich zu tun!

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Tanglberg Erich Spitzbart/Ricki Staudinger

Auch wenn die Örtlichkeit Vorchdorf nicht zu den schönsten im Land zählt, das Tanglberg tut es dafür umso mehr. Selten erleben wir ein Restaurant, in dem Einrichtung, Stil, Farben, Dimensionierung und Komfort so penibel aufeinander abgestimmt sind wie dieses. Und das Schöne daran: Es wirkt alles so selbstverständlich und unangestrengt. Kein Wunder, dass das Tanglberg oft ausgebucht ist. So ergatterten wir den letzten Tisch – im kleinen Innenhof, was sich atmosphäremäßig als Glückstreffer erwies. Aber nur wegen des schönen Ambientes und der Kunst an den Wänden reist hier wohl niemand an. Also her mit der französischen Foie gras mit jungem Aal, dem Pot au feu mit Kalbskutteln und Miesmuscheln, dem Hummer mit Pfirsich und Artischocken in einem so gekonnt abgeschmeckten Jus, wie man ihn nur alle gefühlten zehn Jahre zu essen bekommt. Pauillac-Lamm mit Brokkoliknospen und Perlzwiebeln, ergreifend in seiner Schlichtheit und eine ideale Gelegenheit, tiefer in die Weinkarte zu greifen, wo Frankreich genauso tonangebend ist wie in der Küche. Ziegenkäse aus dem Perigord, mit Ziegentopfen-Sorbet und Boskop – auch aus Käse kann man mehr machen, als ihn bloß aufzuschneiden. Ein Dessert aus Topfen und Erdbeeren noch und ein Fazit: Selten ein Restaurant erlebt, wo uns die Bewertung so leicht gemacht wurde.

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