Rudi Warzwiesingers Tempel ist so legendär wie unverwüstlich: Generationen von Gourmet-Einsteigern pilgerten in sein Restaurant. Optisch ist es vielleicht ein bisschen in die Jahre gekommen, aber viele schätzen den alten Charme. Zumal die Küche eine klare Linie hat: Reduktion. Hier wird nicht an kreativen Experimenten gebastelt, um die Gäste zu verblüffen. Die Milchmaisschaumsuppe mit sautierten Eierschwammerln war eine mollige Angelegenheit, der ein bisschen Säure gutgetan hätte. Die Seezungen-Röllchen klangen nach dem Höhepunkt im lokalen Seniorenheim, aber gedämpft und in ein Kochsalatblatt gewickelt konnte der milde Fisch sein Aroma gut entfalten. Bei den Hauptgerichten lautet die Devise ebenfalls „weniger ist mehr“: Das Rehfilet wurde mit Brombeeren und Eierschwammerln serviert, so gerade trauen sich das sonst nur die Norditaliener, da kommt es dann nur auf die Qualität und Zubereitung des Fleisches an – die gelang hier! Ähnlich gelagert war der Fall bei der Lammnuss mit Pak Choi: ein gutes Stück. Die Feigentarte danach war erfreulicherweise nicht zu süß, die Bitterschokolade-Mousse leistete gute Unterstützung zum Abschluss.
Tempel Rudolf Warzwiesinger
Der „Tempel“ ist nicht leicht zu finden. Nur ein kleines Schild auf der Praterstraße führt in den Innenhof und selbst dort erkennt man das Restaurant nicht sofort. Der Weg ist so schlicht und zurückhaltend wie das Ambiente des Lokals. Diese Zurückhaltung endet jedoch auf dem Teller. Geradlinig, schnörkellos und mit perfekt abgestimmten Aromen wird hier gekocht. Schon das Studium der Speisekarte erfreut, wenige Gerichte à la carte versprechen frische Zubereitung, und die täglich wechselnden Mittagsmenüs klingen so verführerisch, wie es dann auch schmeckte. Die Avocadosuppe mit Geflügelspieß war frühlingshaft frisch, das Gemüse mit dem richtigen Biss, wirklich reife Avocado und mit einer feinen Schärfe. Großartig auch die Goldbrasse mit Gemüse im Pergament gegart – frischer und saftiger Fisch – so einfach, so gut, und das zu moderaten Preisen. Die Mangocreme mit Kokosstangerl war brav, die Mango leider nicht so aromatisch wie erhofft, ein nicht zu schwerwiegender Abschluss. Das Kokosstangerl passte perfekt zur Creme und zum Espresso und hat für Kokosliebhaber Suchtpotential. Im Tempel trinkt man österreichisch zu vernünftigen Preisen.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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