Das mit viel Sensibilität revitalisierte Traditionshaus mit dem prachtvollen Gastgarten am Weinberg punktet zum einen mit seinem Ambiente. Zum anderen überrascht der zum Chefkoch avancierte Andreas Pehr positiv mit geradliniger klassischer Küche und mediterranen Akzenten. Der Cappuccino von der Petersilie zeichnete sich durch subtilen Eigengeschmack aus, die Eierschwammerlravioli dazu harmonierten prächtig. Die Erdäpfel-Brennnessel-Knödel gerieten zwar etwas trocken, der Safran-Tomaten-Fenchel-Fond hingegen schmeckte großartig. Auch das präzise kross gebratene Duett von Bachsaibling und Forelle auf Safranschaum, stimmig kombiniert mit Jasminreis und Antipasti-Gemüse, schmeckte köstlich. Delikat auch das rosa gebratene und mutig gewürzte Schweinsfilet auf Rote-Rüben-Scheiben und Birnen-Erdäpfel-Gratin, pfiffig garniert mit Krenschaum und Kaviarlinsen. Vollends zufrieden gestellt hat uns schließlich der pochierte Weinbergpfirsich mit Buttermilchparfait im Baumkuchenmantel. Überzeugend auch die hohe Qualität der internationalen Weinkarte mit mehreren Flaschenformaten und zahlreichen offenen Weinen.
Torggel Angelika Dex-Rauch
Das Herzstück des romantischen Gebäudes, das von einem kleinen Weinberg und einem ruhigen Garten mit alten Kastanienbäumen umgeben ist, bildet die Weinpresse aus dem Jahr 1672. Küchenchef Andreas Pehr setzt auf regionale Lieferanten und kreiert einfallsreiche Gerichte, vernachlässigt aber mitunter saisonale Ausrichtung und Qualität. Der kleine Salatteller war kaum jahreszeitlich angepasst und wurde äußerst rustikal mit groben Karotten- und Rote-Rüben-Stücken sowie überdimensionalen Salatblättern und Dosen-Mais auf fadem Balsamicodressing angerichtet. Zu feste Konsistenz hatten die Ziegenkäsle mit verwürztem Pesto, dafür feiner Radieschen-Mousse an erneut riesigen Salatblättern anstatt versprochener Salatherzen. Tadellos die kräftige Consommé vom Maibock mit gefüllter Morchelcrêpe, die Spargelschaumsuppe war zwar nicht schaumig, sondern cremig, vom Geschmack her jedoch hervorragend. Sehr zäh geriet das Filet vom Rind mit wenig flaumigen Trüffelgnocchi und verbranntem Gemüse. Zart hingegen der gebratene Kalbsrücken an Morchelschaum mit weißem Spargel in leider extra-salzigem Pancettamantel mit geschmacklos trockenen Kräuternudeln. Herbstliche Gefühle brachte das Dessert: Schokomousse im Baumkuchenmantel an undefinierbarer Vanille-Mandel-Creme mit Waldbeerenshot.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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