Detailansicht 2012

2011
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Klaus Kobald schwingt seit einiger Zeit seinen Kochlöffel in der altehrwürdigen Villa Schratt. Leider schaffte es der begabte Küchenchef bei unserem Besuch nicht bei jedem Gang, sein volles Potenzial auszuspielen. Die Menükarte versprach kulinarische Höhenflüge ohne Ende. Die Realität zeigte aber, dass man hier leider auch nur mit dem sprichwörtlichen Wasser kocht. Der Steinpilzcappuccino mit Sellerietascherl überzeugte zwar mit geschmacklicher Intensität, doch die kross gebratene Reinanke wurde von grünen Bohnen begleitet, die nicht ordentlich geputzt auf den Teller kamen. Ein geschmacklich langweiliges Wildkaninchen mit Graupenrisotto und eine Miniportion von geschichteter Valrhona-Schokolade bestätigten den Eindruck, dass man hier nicht nur an Kleinigkeiten feilen müsste, um weitaus größere Freude zu bewirken. Keine Kleinigkeit war der katastrophale Service. Das gesparte Trinkgeld werden wir das nächste Mal jemandem zusätzlich spenden, der sich nicht nur auf bloßes Tellerschleppen beschränkt.

2009
15 Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2009.


Beschattet von altem Baumbestand lässt die Villa Schratt noch immer einen Hauch der Kaiserzeit erspüren, auch wenn die Erinnerungsstücke daran unter dem neuen Chef Rudolf Hanke weitestgehend reduziert wurden. Der Küchenstil ist modern, Reminiszenzen an die große Vergangenheit werden - außer dem Mini-Schratt-Gugelhupf zum Abschluß - umgangen. Serviert wurden uns vorab luftig leichte Aufstriche und ein Fischtascherl auf Blattspinat mit Safranschaum. Zwei umfangreiche Menüs stehen zur Auswahl, das Schratt-Menü ist auf Fisch ausgerichtet, das Kaisermenü mit Entenbrüstchen, Medaillons vom Milchkalb oder Filets vom heimischen Stier versehen. Ausgezeichnet schmeckte das kräftig mit Dille gewürzte Saiblingstatar mit knusprigem Erdäpfelrösti und Kaviar, dezent und fein dann die weiße Tomaten-Schaumsuppe mit einem Wallerfilet-Spießchen und hervorragend die gebratenen Filets von der Salzkammergut-Reinanke mit frischen Flusskrebserln auf Tagliolini. Kräftig in Geschmack und Biss kamen die Tortelloni mit frischen Eierschwammerin in Creme Fraiche und leicht rosa die zarten Medaillons vom Milchkalb auf einem würzigen Tomatenrisotto mit Saubohnen. Der geeiste Kaiserschmarren mit Marillenröster war dann der passende Ausklang für einen genussvollen Sommerabend.

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Villa Schratt

Einst servierte Katharina Schratt ihrem Kaiser Franz Joseph den berühmten Guglhupf in der malerischen Villa am Rande von Bad Ischl. Seit vielen Jahren wird nun am selben Ort Gastronomie geboten. Klaus Kobald, ehemals in den steirischen Saziani Stubn und im Taborturm in Steyr tätig, übernahm vor rund zwei Jahren die Führung des einstigen Vorzeigebetriebes. Die Betonung liegt auf einstig – viel geblieben vom Glanz scheint heute nicht mehr. Schon von außen wirkt das Ensemble relativ lieblos – einladend ist anders. Auch innen nicht sehr viel anders, die Worte lieblos und muffig treffen es wohl am besten. Und dieser Umstand sollte seine Fortsetzung auch auf dem Teller finden. Wo ist der Elan des einst gelobten Küchenchefs hin? Als Gedeck vier Scheiben Brot in Supermarktqualität mit Butter, dazu wurde ein Mokkatässchen mit Eierschwammerlsuppe als Amuse gereicht – macht vier Euro pro Person. Die Vorspeise, eine mediterrane Fischsuppe, war zwar ordentlich, die Bezeichnung „mediterran“ erschloss sich aufgrund der Zutaten aber nicht wirklich – diverse Fischstückerln, Flusskrebserln, Fenchel und Tomaten. Auch die Würzung war, sagen wir, zurückhaltend. Ordentlich war der Eferdinger Spargel, dem der Koch allerdings ein Rührei und schwarzen Trüffel (in große Würfel geschnitten, eher zäh und geschmacklos) zumutete. Bei den Hauptspeisen, einem Perlhuhn mit Eierschwammerln und einer Kalbsleber mit Zwiebelsauce, ein ähnliches Bild. Das Dessert sparten wir uns, um den ohnehin schon genervten Service nicht noch weiter mit unserer Anwesenheit zu belasten. Wir waren die einzigen Gäste.

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