Eine stresshemmende Funktion dieser Waldidylle üben schon die klein gehaltene Speisekarte und der völlig unhektisch agierende Service aus. Letzterer übertrieb es jedoch bei unserem Besuch etwas mit dem Gemütlichsein – die Zeit von der Bestellung bis zur Bezahlung der Rechnung zog sich. Ein gemischter Wildteller, bestehend aus hausgemachter Wildschweinsalami, Wildschweinschinken und Hirschrohschinken mit Preiselbeeren sowie ein Triestingtaler Bio-Schafkäse im gegrillten roten Paprika mit Rucolasalat und Balsamico überzeugten hinsichtlich Produktqualität und Präsentation. Auch das als Hauptgang georderte rosa gebratene Lammfilet, das mit Spinat und Paprikagemüse serviert wurde, überzeugte uns. Bei den Desserts setzt die Küche erfreulicherweise auf Klassiker der österreichischen Mehlspeisenküche. Wir verzichteten diesmal auf die heiß geliebten Mohnnudeln und erfrischten uns lieber mit dem etwas zu sehr gefrorenen Parfait von der Walnuss. Bei unserer nächsten Visite werden wir versuchen, einen Chauffeur zu engagieren, denn die beachtliche Auswahl an hausgebrannten Schnäpsen würde sich eine intensive Verkostung mit Sicherheit verdienen.
Waldgasthof Schimanszky Familie Schimanszky
Kaum hat man in dem versteckt gelegenen Waldgasthof Platz genommen, erzählt der leutselige Wirt, wo er das Wild jagt, wo er die Heidelbeeren für sein Sorbet findet, wie er den Waldmeister ansetzt, wo seine Weinberge liegen und dass es Anfang Juli Zeit für den Nussschnaps wird. Was Wald und Flur so hergeben, wird in der Küche des aus den 1970er-Jahren stammenden Knusperhäuschens verarbeitet. Vieles davon auch in Kartons verpackt und auf Wunsch versendet. (Der Weg zur Toilette führt durch einen mit Schachteln, Kisten und Flaschen voll gepackten Saal.) Die Flusskrebse – mit frischen Blattsalaten angerichtet – waren delikat und abgesehen vom Milchkalb aus dem Waldviertel die einzige Position auf der Karte, die nicht unter die Rubrik „hausgemacht” bzw. „regional” fällt. Das Wildschwein (aus eigener Jagd) in sämiger Wurzelwerksauce schmeckte nicht nur gut, es verbreitete auch einen angenehmen Bratenduft. Die gewürfelten Gelben Rüben und Karotten „on top” ergaben hübsche Farbtupfer, schade nur, dass die Speckknödel dazu etwas zu fest geraten waren. Bei den Desserts überzeugte sowohl das sommerlich-leichte Holunderparfait als auch der Klassiker „Topfennockerln mit Butterbröseln“, beides auf großen Tellern angerichtet und mit frischen Früchten bzw. Fruchtessenzen aufwendig dekoriert. Beachtliche Auswahl an Weinen, Sekten und Schnäpsen „aus dem Hause Schimanszky”.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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