Weibels Wirtshaus gilt seit vielen Jahren als Hort typischer wienerischer Küche und entsprechender Atmosphäre. Zu Recht, denn der kleine, zweistöckige Gastraum mit seinen verwinkelten Tischen strahlt tatsächlich gemütlich-gepflegte Gastlichkeit aus, unterstrichen durch einen besonders höflichen Service. Und Liebhaber der klassischen Wiener Wirtshausküche kommen hier stets auf ihre Rechnung. Wir konzentrierten uns diesmal auf die in den beiden Vier-Gang-Menüs angebotenen Gerichte der feineren Küche, die ganz gut gelangen, ohne wirkliche Begeisterung auszulösen. Die Zwiebel-Knoblauch-Suppe und gebratene Riesengarnelen auf Weißwein-Lauch-Risotto schmeckten soso lala, mehr Freude bereiteten die Kombination von süß-saurem Chicorée mit knuspriger Maishendlbrust und das rosa Rindsfilet mit feiner Erdäpfelpalatschinke. Da uns Apfelstrudel mit Vanilleeis oder Topfenschmarren zu üppig erschienen, wichen wir auf ein erfrischendes Blutorangensorbet mit in Wodka marinierten Minz-Zitrusfrüchten, die sich hauptsächlich als Himbeeren entpuppten, aus. Erfreuliche Weinkultur.
Weibels Wirtshaus Hans Weibel
In diesem Teil der City fühlt man sich sowieso in alte Zeiten versetzt, und auch Weibels Wirtshaus fällt da nicht aus dem Bild: Kopfsteinpflaster vor dem Eingang, und drinnen herrscht urige, holzvertäfelte Gasthausatmosphäre mit verwinkelter Gemütlichkeit. Die Karte ist vorwiegend konservativ angelegt. Wir probierten das Kalbsrahmbeuschel mit gebackenem Ei, das sehr okay schmeckte, aber für eine Vorspeise ziemlich üppig war. Die Lammhaxe in Merlotsauce auf Zucchinirisotto war tadellos, die Schweinsfiletscheiben hingegen gerieten nicht weiter aufregend, der dazu servierte Solospargel leider etwas bitter. Sehr gut sortiert präsentierte sich die Weinkarte. Und gottlob gibt es auch eine gute Auswahl an Digestifs – denn so schwer, wie hier gekocht wird, kann man die nach dem Essen durchaus brauchen.
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