Traumhaft ist der Platz in der Ostbucht des Wallersees, und wenn man Glück hat, sieht man die Sonne am anderen Seeufer untergehen wie in Capri. Wahrlich ein besonderer Platz fernab jeglichen Lärms. Der Winkler ist ein Klassiker, beliebtes Ziel auch der Stadtsalzburger. Jeder Koch muss sich damit abfinden, dass hier die Landschaft der Chef ist und nicht er. Neun von zehn Gästen essen Fisch, vom Rost, gebraten oder im Wurzelsud gekocht, aber für Außenseiter ist mit Kalbsrahmgulasch und Backhenderln gesorgt. Und Schnecken gibt es traditionellerweise auch. Lauter glückliche, entspannte Gesichter auf der Terrasse, auch wir, doch bei einem weiteren Besuch hatten wir Pech. Die Fischsuppe war ganz ausgezeichnet, die Schnecken ebenso delikat, aber das Hechtfilet kam mit einem scharfen, dicken Paprikagemüsebrei überschüttet zu uns. Eine Brutalität. Unverständlich. Vom Fisch nichts mehr zu schmecken. Schade. Ringsum nur glückliche Gesichter. Die Reinanke vom Grill mit wunderbar mariniertem Salat machte alles wieder gut. Hier essen alle, was sie hier immer essen, und sind mit ihrem Fisch zufrieden. Wir bleiben in Zukunft auch dabei. Bemerkenswert die Geschwindigkeit, mit der hier Fische vor dem Gast filetiert werden. Flotter Service, gute Weine, schöne Gedecke.
Winkler
Das Fisch- & Schneckenrestaurant Winkler: schon im Namen spürt man Traditionsverbundenheit und Geschichte. Ein altes Strandbad aus der Wirtschaftswunderzeit, wahrscheinlich aber noch früheren Datums. Eine Terrasse wie aus dem Paradies, drinnen alte Möbel mit Strohgeflecht. Sonnenuntergänge. Überhaupt den ganzen Tag Sonne (wenn es nicht gerade regnet). Im Kalter schwimmen träge und mit sehr viel Platz die großen Fische vom Wallersee, vom Mondsee oder Attersee, die vielleicht schon demnächst auf unseren Tellern landen werden. Die Karte präsentiert sich, von kleinen Überraschungen abgesehen, Jahr für Jahr fast unverändert. Nur die Saison bestimmt hier das Angebot, nicht irgendeine „Kreativität“ eines Kochs. So gibt es keine Schäume, sondern klassische Saucen: Sauce béarnaise, Zitronenbutter. Die Béarnaise dient dazu, die gerade selbst geschälten Flusskrebse darin einzutunken. Ein Schluck vom Flusskrebsfond, der in einer Tasse serviert wird. Herrlich. Schnecken mit Kräuterbutter: die 60er-Jahre schauen beim Fenster herein. Die Reinanke für zwei Personen danach, war sie etwas zu lange am Feuer? Auf der Winklerterrasse, einer der schönsten, stellen sich die Gäste diese Frage selten, und warum sollte man sich auch die Laune verderben lassen. Eines ist jedenfalls klar: Das Karotten-Lauch-Gemüse in der kleinen Tasse, das es zu fast jedem Fischgericht gibt, hat dann schon etwas von Altersheimküche. Die Petersilerdäpfel sind dafür wunderbar. Palatschinken oder Eisbecher – das ist die Frage, die man sich hier am Ende einer Mahlzeit stellen muss, und besonders gut tut daran, wer sich für Ersteres entscheidet. Eine Filigranität von einer Marillenpalatschinke. Die Weinauswahl ist übrigens klein, aber gut ausgesucht und nicht übertrieben ausgepreist. Zimmer im Haus gibt es auch, einfach, ruhig, angenehm.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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