Der Wiener Klassiker. Wie oft haben wir hier schon, ob mittags oder abends, in dem wunderschönen Teil der Stadt wunderbare Stunden verbracht. Die Familie Friese führt diese Gemischtwarenhandlung aus Traiteur, Stehtrinklokal, Brötchenbar, Catering und Restaurant mit Verve und Zug zum Tor. Oft wechselten allerdings auch die Köche, die sich mit den vielen Anforderungen dieses Betriebs (Catering und á la carte im Schankbereich wie auch im Restaurant) nicht immer arrangieren wollten. Vieles von dem, was Christian Domschitz in den vergangenen Jahren entwickelte, ist immer noch da. Und wir wollen nicht sagen, dass das Niveau seit seinem Abgang deutlich gesunken wäre. Allerdings treten gemischte Gefühle im Laufe eines Essens jetzt deutlicher zutage, weil die qualitative Schwankungsbreite der Gerichte einfach eher im Zunehmen statt im Abnehmen ist. Konkret: tadelloses Beef Tatar, zu braun gebratenes Bries auf letschertem Salat und Blattspinat. Kein wirklicher Bringer. Das Wiener Schnitzel aus dem Kalbsrücken macht einmal mehr, einmal weniger Freude. Diesmal weniger, weil es zwar vorbildlich gebacken, aber einfach zu trocken war. Ein Lammrücken mit Blumen und Kräutern bestreut war dafür schön rosa und saftig. Maître Gensbichler, der Sommelier, der nicht trinkt und trotzdem alles weiß, ist nicht nur Unterhaltung fürs Auge, sondern auch ein kompetenter Begleiter durch die Mittage und Abende seiner Gäste. Wir kommen wieder. Keine Frage.
Zum Schwarzen Kameel
Seit Johann Baptist Cameel anno 1618 in der Bognergasse 5 ein Gewürzgeschäft einrichtete und nach seinem vierbeinigen Namensvetter benannte, zieht das Lokal – heute als Troika von Patisserie, Feinkostgeschäft und Restaurant/Buffet – die etablierten Wiener Feinschmecker magisch an, wobei das historische Jugendstilambiente als konstantes, die ambitionierte Küche als dynamisches Element fungiert. Auch diesmal verfehlte die geschickte Melange von internationaler und lokaler Kulinarik nicht ihre Wirkung, wenn auch manches optisch mehr versprach, als es geschmacklich hielt. Das galt für den schonkosthaften Charakter der als Amuse gueule servierten Karotten-Ingwer-Suppe ebenso wie für die leichte Fadesse der Erbsen-Mille-feuilles zum kanadischen Hummerfragment. Keine Blöße gab man sich beim französischen Lammrücken und -kotelett sowie der gelungenen Hommage an Böhmen in Gestalt lockerer Schokolade-Liwanzen. Dazu kredenzte der routinierte Service mit distanzierter Freundlichkeit einen Morillon von Gross, die – für das Kameel speziell abgefüllte – Cuvée Unique von Gesellmann sowie eine Trockenbeerenauslese als intensive Quintessenz eines sonnigen Spätherbsts.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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